Abschied von der Vier-Tage-Woche bei VW
Der Weg für VW ist noch weit

Eine Ära ist zu Ende. Die Vier-Tage-Woche bei Volkswagen ist am Freitag zu Grabe getragen worden. „Sie ist tot“, hieß es in Wolfsburg nach der Einigung mit der IG Metall. Die Fünf- Tage-Woche ist wieder da. Doch damit haben die Wolfsburger nur ein wichtiges Etappenziel erreicht – nicht weniger, aber auch nicht mehr. Der Weg zur Sanierung der Traditionsmarke VW ist nämlich noch immer lang.

HB HANNOVER. Eine „Rückkehr zu normalen Arbeitszeiten“ sei dies, feierte VW-Personalvorstand Horst Neumann und deutete die Abkehr von der Vier-Tage-Woche als großen Schritt zur Wettbewerbsfähigkeit - dürfte dies doch damit einhergehen mit einer deutlich längeren Wochenarbeitszeit als die bisher üblichen 28,8 Stunden, und zwar zumindest zu einem Teil ohne Lohnausgleich.

Am Ende und am Anfang der Vier-Tage-Woche: Heute wie damals steckte VW in einer kritischen Phase. Im Herbst 1993 machte der damals neue Personalvorstand Peter Hartz, inzwischen in der VW-Affäre gestürzt, sein erstes tarifpolitisches Meisterstück. Hartz verhinderte Massenentlassungen, indem er die Arbeitszeit drastisch verkürzte. Alle Mitarbeiter an den sechs westdeutschen VW-Standorten arbeiteten fortan bei entsprechender Lohnkürzung 20 Prozent weniger.

Heute lässt VW wieder mehr arbeiten. „Wenn VW Arbeit hat für 35 Stunden in der Woche, dann wird auch 35 Stunden gearbeitet“, betonte Neumann. Seine Hauptforderung hat die VW-Spitze allerdings nicht erreicht - eine 35-Stunden-Woche ohne jeglichen Lohnausgleich. Dies hatte die IG Metall strikt abgelehnt.

Vereinbart wurde nach Gewerkschaftsangaben nun ein Arbeitszeitkorridor zwischen 25 und 33 Stunden - für diese Arbeitszeiten gibt es das bisherige Monatseinkommen. Bei Bedarf wird die 34. und 35. Stunde wie bisher als Mehrarbeit vergütet. „Mit diesem breiten Stundenkorridor können wir auf Marktschwankungen besser reagieren, und das ohne wesentliche Änderungen bei den Arbeitskosten“, sagte Neumann. Das garantiert uns eine sehr gute Flexibilität und hat zugleich das Potenzial für eine hohe Kosteneinsparung.“

Keine Frage: Die Zugeständnisse der IG Metall über längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich erhöhen die Wettbewerbsfähigkeit zwar deutlich. Doch zugleich hat die Gewerkschaft klar gemacht: Für sie liegt der Ball nun im VW-Feld. „Die Beschäftigten haben ihren Beitrag zur Sanierung der Kernmarke erbracht, jetzt ist der Vorstand am Zug“, forderte IG Metall-Verhandlungsführer Hartmut Meine am Freitag.

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