"Abschluss hat keinen Modellcharakter"
Siemens-Kompromiss belebt Arbeitszeitdebatte

Die Einwilligung der IG Metall in die Verlängerung der Arbeitszeit bei zwei Siemens-Werken auf 40 Wochenstunden ist nach Einschätzung von Experten ein wichtiges Signal für die weitere Debatte über längere Arbeitszeiten in Deutschland.

HB HAMBURG. Bei Siemens, dem größten Mitglied des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, stimmte die IG Metall jetzt zwar einer Abkehr von der 35-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich in nur zwei Werken zu. Aber die mit der Gewerkschaft geschlossene Rahmenvereinbarung zur Standortsicherung dürfte Siemens zur Grundlage für weitere Verhandlungen an anderen Standorten in Deutschland nehmen. Ob der Kompromiss auch Modell für andere Unternehmen sein wird und die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland damit stoppen kann, bleibt abzuwarten. Allerdings könnte der im öffentlichen Dienst und in anderen Industriebranchen schon erkennbare Trend zur längeren Arbeitszeit nun verstärkt auch für die Metall- und Elektrobranche diskutiert werden, sagen Experten.

Der Kompromiss sieht vor, dass Siemens den Bestand der bislang von einer teilweisen Verlagerung nach Ungarn bedrohten Werke in Kamp-Lintfort und Bocholt für zwei Jahre garantiert. Im Gegenzug stimmte die IG Metall einer Verlängerung der Arbeitszeit für über 4 000 Arbeitsplätze auf 40 Stunden pro Woche ohne Lohnausgleich zu. Urlaubs- und Weihnachtsgeld werden durch eine erfolgsabhängige Jahreszahlung ersetzt.

„Wenn das ein so großes Unternehmen wie Siemens macht, hat das eine Signalwirkung“, sagte der Arbeitsmarktexperte Harmen Lehment vom Kieler Institut für Weltwirtschaft. „So eine Maßnahme kann die Kosten senken und Arbeitsplätze sichern.“ Er rechne damit, dass die Debatte über längere Arbeitszeiten fortgeführt werde.

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