Abschluss mit „beispielhafter Funktion“
Tarifeinigung in der Chemiebranche steht

Arbeitgeber und Gewerkschaft der Chemie-Industrie haben sich am Mittwoch auf für das laufende Jahr auf eine Lohnerhöhung von 4,4 Prozent für eine Laufzeit von 13 Monaten geeinigt. Und das ist lange noch nicht alles, was die rund 550 000 Beschäftigten der Branche bekommen werden.

HB LAHNSTEIN. Die Tariferhöhung in diesem Jahr setzt sich zusammen aus einer Tariferhöhung von 4,4 Prozent und einer Einmalzahlung von weiteren 0,5 Prozent, wie die Tarifparteien am Mittwoch in Lahnstein mitteilten. Die Vertragslaufzeit beginnt den Angaben zufolge regional unterschiedlich. Kommendes Jahr werden die Löhne und Gehälter um weitere 3,3 Prozent erhöht.

Daneben vereinbarten die IG BCE und der Arbeitgeberverband BAVC einen Tarifvertrag zum flexiblen Übergang der Beschäftigten in die Rente. Beide Seiten zeigten sich zufrieden mit dem Ergebnis, die Tarifkommissionen beider Parteien haben bereits zugestimmt.

Bereits am Dienstagabend hatte es eine Teileinigung gegeben: Die Tarifparteien einigten sich auf Tarifverträge zu den Themen Ausbildung und Lebensarbeitszeit. Am Mittwoch stand nur noch die Frage der Entgelterhöhung im Raum. Die IG BCE war mit der Forderung nach sieben Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von einem Jahr in die Verhandlungen gegangen.

IG-BCE-Verhandlungsführer Werner Bischoff sprach von einem „guten Abschluss“, der von den Beschäftigten der Chemie-Industrie sicher gut aufgenommen werde. Arbeitgeber-Verhandlungsführer Hans-Carsten Hansen erklärte, der Abschluss gehe bis an die Grenze der Belastbarkeit, sei aber trotzdem ein Ergebnis mit Augenmaß, das den Betrieben „außergewöhnlich viel Planungssicherheit“ gebe. Der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, Hubertus Schmoldt, erklärte, der Tarifvertrag werde mit Sicherheit eine „beispielhafte Funktion“ für andere Branchen haben.

Der Vertrag mit dem Titel „Lebensarbeitszeit und Demografie“ beinhaltet den Angaben zufolge eine Regelung zur Altersteilzeit und vergrößere die Möglichkeiten „Arbeit alterns- und altersgerecht zu organisieren“. Zur Finanzierung sollen betriebliche Fonds gegründet werden, die von den Arbeitgebern gespeist würden. Auch der Tarifvertrag zur Ausbildung wurde verlängert, wie es hieß.

Beim Thema Altersteilzeit bestand Handlungsbedarf, weil die Förderung der Bundesagentur für Arbeit Ende 2009 ausläuft. Bisher überweist die Agentur 20 Prozent des letzten Nettolohns an jeden Beschäftigten, dessen Stelle wiederbesetzt wird. Zuletzt drängten führende Gewerkschafter wie IG-BCE-Chef Schmoldt in Berlin auf eine Verlängerung der Altersteilzeitregelung. Ob sich die Große Koalition auf eine Nachfolgeregelung verständigt, ist aber ungewiss.

In den Tarifverhandlungen wollte die IG BCE konkret erreichen, dass besonders belastete Schichtarbeiter weiterhin früher in Ruhestand gehen können, ohne große finanzielle Einbußen zu haben. Bisher erhalten die Altersteilzeitler laut Gewerkschaft 85 bis 90 Prozent ihres letzten Nettolohns für die Hälfte der Arbeit.

Das Ergebnis für die Chemie-Branche war mit Spannung erwartet worden: Es ist nach der Stahlindustrie der erste größere Tarifabschluss für die Privatwirtschaft in diesem Jahr und gilt als wichtiger Fingerzeig für andere Branchen, etwa für den aktuellen Tarifkonflikt bei der Post sowie für die Metall- und Elektroindustrie, die im Oktober in den Verhandlungsring steigt.

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