Abschlussbericht des KBA
Noch keine Entscheidung im Kalten Krieg

Das Kraftfahrtbundesamt veröffentlicht den Abschlussbericht zum umstrittenen Kältemittel für Auto-Klimaanlagen. R1234yf entzünde sich nur in Extremsituationen. Entschieden ist nichts: Das KBA empfiehlt weitere Prüfungen.
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MünchenIm Streit um das Kältemittel R1234yf regt das Kraftfahrtbundesamt (KBA) an, eine gesetzliche Regelung für die Sicherheitsanforderungen für Auto-Klimaanlagen zu prüfen. Das geht aus dem Abschlussbericht zur Risikobewertung des umstrittenen Kältemittels hervor. Das KBA empfiehlt darin „mit Nachdruck“ weitere Prüfungen zu möglichen Risiken von R1234yf.

„Gegenstand dieser Untersuchung sollte ebenfalls sein, ob diese Erkenntnisse künftig in das Genehmigungsverfahren von Fahrzeugen aufgenommen werden und Sicherheitsanforderungen für Fahrzeugklimaanlagensysteme gesetzlich festgelegt werden sollten“, heißt es darin.

Der Autobauer Daimler weigert sich, das gesetzlich vorgeschriebene Kältemittel in seinen Klimaanlagen zu verwenden, weil der Konzern bei eigenen Tests eine Brandgefahr festgestellt hat. Daimlers Widerstand treibt die EU-Kommission auf die Barrikaden, denn die seit Jahresbeginn verschärften Klimaschutzvorschriften der Brüsseler Behörde erfüllt R1234yf als einziges Kühlmittel. Die Kommission hatte im August entschieden, dass Gutachter des Joint Research Center die Tests des KBA untersuchen sollten.

Das bisher übliche Gas R134a gilt als Klimakiller und soll spätestens 2017 aus allen Autos verbannt werden. Bis dahin gelten Übergangsvorschriften. Ende August hatte Daimler in Frankreich einen juristischen Sieg errungen. Der Zulassungsstopp für mehrere Mercedes-Modelle in dem Land wurde höchstgerichtlich aufgehoben.

Der Abschlussbericht des KBA bestätigt nun die bisherigen Erkenntnisse. Demnach können sich in Extremsituationen Flammen im Motorraum bilden. Bei den Versuchen der sogenannten Stufe 3 stellt das KBA fest, „dass das generelle Sicherheitsniveau von Kraftfahrzeugen durch den Einsatz von R1234yf tendenziell verschlechtert wird, da beim Einsatz von R134a während des Tests keinerlei kritisches Schadensereignis erzeugt werden konnte“.

Im Rahmen des Produktsicherheitsgesetzes besteht jedoch keine „ernste Gefahr“. Hersteller Honeywell sieht sich durch den Bericht bestätigt. So werde erneut deutlich, dass R1234yf „sicher in Pkw eingesetzt werden kann“, erklärte das Unternehmen am Mittwoch. Daimler sieht das ganz anders. Man sehe sich ebenfalls bestätigt, da durch den Einsatz des neuen Kältemittels ein erhöhtes Risikopotenzial bestehe, sagte ein Sprecher des Autobauers zu Handelsblatt Online. „Wir stehen nach wie vor zu unserer Entscheidung, R1234yf nicht zu verwenden.“

Als nicht brennbare Alternative zum neuen Kältemittel gelten CO2-Klimaanlagen, die aber noch nicht serienreif für Pkw sind und bei Lecks zu Schläfrigkeit der Fahrzeug-Insassen führen können. Daimler arbeite mit Hochdruck an der Entwicklung, sagte der Sprecher. „Der Zug in Richtung C02-Klimaanlagen rollt mit großem Tempo.“

Tobias Döring, Redakteur Unternehmen, Handelsblatt Online
Tobias Döring
Handelsblatt / Chef vom Dienst
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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