Abschottung
Chinas Solarindustrie kritisiert Deutschland

Chinas Solarindustrie hat vor einer Abschottung des deutschen Markts für erneuerbare Energien gewarnt. Sollte der Zugang zum weltweit größten Markt erschwert werden, würde dies die deutsche Solarindustrie stärker belasten als die chinesische.

HAMBURG. Das sagten Vertreter der chinesischen Solar-Schwergewichte Yingli und Suntech dem Handelsblatt. Zudem wären Arbeitsplätze im Handwerk bedroht. Denn Importbeschränkungen treiben die Preise und würden damit die Nachfrage senken.

Zum Wochenanfang hatten der Chef des Bonner Unternehmens Solarworld, Frank Asbeck, und der SPD-Politiker Hermann Scheer die Koppelung von Umwelt- und Qualitätsstandards an das deutsche Förderprogramm für erneuerbare Energien gefordert. Zuvor waren in der Branche bereits Rufe nach Schutzzöllen sowie einer „Buy Germany“-Klausel laut geworden.

Die Handelsbilanz der beiden Länder in dem Sektor neige sich der deutschen Seite zu, sagte der Vorstandschef der chinesischen Yingli Solar, Miao Liansheng: „Wir kaufen wie auch andere chinesische Hersteller im großen Stil Vorprodukte und Maschinen in Deutschland.“ In Deutschland sind, unter anderem mit Roth & Rau, die weltweit führenden Hersteller von Maschinen für die Solarindustrie ansässig.

Suntech-Vorstand Steven Chan betonte, dass sein Unternehmen alleine in diesem Jahr Anlagen im Wert von 250 Mio. Euro in Deutschland einkaufen werde. Hinzu kämen Umsätze mit Vorlieferanten wie Wacker Solar. Der weltweit zweitgrößte Solarkonzern erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 571 Mio. Dollar in Deutschland – knapp ein Drittel seiner Gesamterlöse.

Während die Maschinenbauer von dem Handel mit China profitieren, geraten die Hersteller von Zellen und Modulen unter Druck. Sie sehen sich im Wettbewerb mit der Konkurrenz aus Fernost benachteiligt, da diese mit günstigen Preisen ihren Marktanteil ausweiten. Möglich wird der Kostenvorteil nach Darstellung von Solarworld-Chef Asbeck durch Subventionen und Exporthilfen der chinesischen Regierung. Yingli-Gründer Miao weist dies zurück. „Wir dumpen nicht. Als ein an der Wall Street notiertes Unternehmen müssen wir auf unsere finanziellen Kennzahlen achten“, sagte er.

Chinesische Hersteller haben in den vergangenen Monaten mit aggressiven Angeboten den Preiskampf auf dem Solarmarkt verschärft. Nach Angaben der Beratungsfirma Photon sind seit Herbst die Preise um bis zu 40 Prozent gefallen. Hauptursache für den Einbruch ist aber ein Überangebot auf dem Markt.

Auch Yingli und Suntech wurden vom Preisrutsch belastet, konnten aber nach eigenen Angaben ihren Marktanteil ausweiten. Den Kostenvorteil begründet Miao mit effizienteren Produktionsabläufen. „In den vergangenen fünf Jahren haben wir unsere Produktion ausgeweitet und dabei immer die neusten Maschinen angeschafft“, sagte der Chef des weltweit sechsgrößten Solarkonzerns.

Die von einigen Solarmanagern geforderte Verknüpfung neuer Standards an das Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG), in dem die Solarförderung festgeschrieben ist, könnte sich nach Einschätzung der Chinesen für Deutschland zum Bumerang entwickeln. „Durch zusätzliche Regularien würden die Kosten für alle nur steigen“, sagte Suntech-Vorstand Chan.

Yingli und Suntech planen den Bau von Solarfabriken in Europa – eine Marktabschottung könnte gegen die Wahl eines deutschen Standorts sprechen. „Wir schauen uns verschiedene an – dazu zählen Italien, Spanien und auch Deutschland“, sagte Miao. Das neue Werk sei Teil der Konzernstrategie, Yingli global aufzustellen. Dazu sei eine lokale Produktion nötig. Das Modulwerk soll eine Kapazität von rund 100 Megawatt (MW) haben. Der Baustart soll im kommenden Jahr sein.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%