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Abschwung: Schifffahrtskrise trifft Werften mit voller Wucht

Der Bund nimmt die beiden deutschen Wadan-Werften unter den staatlichen Rettungsschirm. Damit ist die Finanzierung von neuen Schiffen vorerst gesichert. Fraglich ist nur, ob die Rettung des Unternehmens von Dauer ist. Denn die Werften können weltweit so gut wie keine neuen Aufträge mehr an Land ziehen.

Im Baudock der Wadan-Werft in Wismar werden ein Containerschiff und ein Fährschiff gebaut. Quelle: dpa
Im Baudock der Wadan-Werft in Wismar werden ein Containerschiff und ein Fährschiff gebaut. Quelle: dpa

ROSTOCK. Erst die Reeder, dann die Werften. Die Schifffahrtsindustrie gerät in immer schwereres Fahrwasser. Schuld ist der weltweite Wirtschaftsabschwung. Für dieses Jahr erwartet die Weltbank einen Rückgang des Welthandels um 2,1 Prozent. Die Folge ist die Raten für Container-Schiffe rauschen seit Anfang vergangenen Jahres in den Keller und die Branche steht vor stetig wachsenden Überkapazitäten.

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Laut der Beratungsgesellschaft Clarkson ist die weltweite Container-Flotte im vergangenen Jahr um 13 Prozent gewachsen. Betrug das Volumen der weltweiten Container-Flotte im vergangenen Jahr noch 10,8 Millionen Container (TEU), werden es dieses Jahr bereits 12,1 Millionen, im Jahr 2010 sogar 13,9 Millionen sein. 1400 Container-Schiffe sind noch fix im Auftragsbestand.

„Die Reeder haben sehr viele Schiffe bestellt. Das Orderbuch beträgt fast die Hälfte der bestehenden Flotte weltweit“, sagt Martin Stopford, Geschäftsführer von Clarkson Research, zu Handelsblatt.com. „Wir haben vorhergesagt, dass dies für Probleme sorgen wird.“ Zumal ein Großteil der neuen Schiffe bereits in den kommenden drei Jahren ausgeliefert werden soll.

Diesen „perfect storm“, wie englische Schiffsmakler die gefährliche Kombination aus Überkapazitäten und Handelsrückgang nennen, bekommen weltweit nach den Reedern weltweit die Werften zu spüren – auch deutsche. Im Dezember waren die Wadan-Werften aus Wismar in Not geraten, weil die Banken sich nicht mehr bereit zeigten, Geld für den Bau neuer Schiffe vorzustrecken. Es drohte das Aus.

Nun sind die Werften erst einmal gerettet. Wie das Unternehmen in Wismar mitteilte, wurde die erste Summe eines vom Bund verbürgten 180-Millionen-Euro-Kredits ausgezahlt. Die Finanzierung von zehn Schiffsneubauten sei nunmehr gesichert, die Werften befänden sich „hinsichtlich ihrer Liquidität wieder in ruhigeren Gewässern“. Unter dem Schutzschirm der Bundesregierung kann weitergearbeitet werden. Fragt sich nur, wie lange noch? Denn die Marktlage für Werften sieht desolat aus. Soll heißen: Der Branche bleiben weltweit die Aufträge für Neubauten weg.

Kein Wunder, liegen doch weltweit laut der Beratungsfirma AXS Alphaliner bereits 255 Schiffe mit einem Volumen von 675000 Containern (TEU) leer auf – um Betriebskosten zu sparen.

Seit dem Juni vergangenen Jahres ist die Zahl an neuen Bestellungen laut dem Beratungsunternehmen Clarkson dramatisch eingebrochen. Demnach dürfte im Dezember vergangenen Jahres praktisch kein neuer Auftrag bei den Werften eingegangen sein. Und das Fachblatt Lloyds List meldete bereits im November, dass die weltweiten Schiffsorders um 90 Prozent rückläufig seien. In Zahlen: Im Oktober 2008 waren 37 Container-Schiffe, Tanker oder andere Frachtschiffe bestellt worden – ein Jahr zuvor waren es noch 378 gewesen.

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