Absichtserklärung sieht gleichberechtigte Partnerschaft vor
Daimler unterschreibt Lkw-Vertrag in China

Der weltgrößte Nutzfahrzeughersteller Daimler wird künftig auch in China mittlere und schwere Lastwagen bauen. Ein entsprechender Vertrag wurde gestern in Peking mit dem chinesischen LKW-Hersteller Beiqi Foton Motor unterzeichnet, teilte Daimler in Peking mit. Der Konzern bestätigte damit eine Geschichte des "Handelsblatts" von Ende Juli. Das Joint Venture soll die erste chinesisch-deutsche Nutzfahrzeug-Firma werden.

PEKING. Die Lkw sollen in Peking unter der Foton-Marke "Aumann" gebaut und möglicherweise auch in andere Länder nach Afrika und dem Nahen Osten exportiert werden. Zudem ist auch eine Produktion außerhalb Chinas geplant. "Das Joint Venture wird die erste chinesisch-deutsche Nutzfahrzeug-Firma sein, die mit der Produktion ins Ausland expandieren will", so Foton-Präsident Wang Jinyu.

Ein Daimler-Sprecher schloss gegenüber dem "Handelsblatt" nicht aus, das der Stuttgarter Konzern später auch eine Lkw-Produktion in China Standort bauen will. "Wir hoffen natürlich zu expandieren", so Firmensprecher Trevor Hale. Momentan gebe es aber noch keine Planung für solch eine neue Fabrik. Dies hänge letztlich von der Nachfrage ab.

Eine angepeilte Stückzahl für die Lkw-Produktion nannte er nicht. Im vergangenen Jahr hat Mercedes 2 400 Lastwagen in China verkauft. Die gemeinsame Produktion mit Foton werde aber weit darüber liegen, hieß es. Foton ist der größte Nutzfahrzeughersteller Chinas. Daimler wird auch künftig Mercedes-Lkw nach China exportieren.

Die Partnerschaft sei ein "Meilenstein" für den deutschen Konzern, erklärte der für das Geschäft in Nordostasien zuständige Ulrich Walker dem "Handelsblatt". Der Stuttgarter Konzern hat seit Jahren versucht auf dem wachstumsstarken chinesischen Markt Fuß zu fassen. Schon einmal war vor Jahren eine gemeinsame Lkw-Produktion mit Beiqi Foton geplant. Dieses Vorhaben scheiterte damals jedoch an Vorgaben der chinesischen Regierung.

Die Absichtserklärung sieht eine gleichberechtigte Partnerschaft vor, teilte Daimler mit. Über den finanziellen Rahmen wollte Daimler keine Angaben machen. Erst müsse ein endgültiger Vertrag auf dem Tisch liegen, hieß es. Die Partnerschaft muss noch von den chinesischen Behörden genehmigt werden, was bis zu einem Jahr dauern kann.

Daimler wird nun als einziger deutscher Fahrzeughersteller in China produzierte Pkws als auch Transporter und Lastwagen anbieten. "Foton ist der richtige Partner," zeigte sich Daimler-Vorstand Rüdiger Grube über die neue Partnerschaft zufrieden. Der Vertrag sei zudem ein klares Bekenntnis des Konzerns zu einer langfristigen China-Strategie.

Daimler hat 2007 knapp 468 000 Lkw weltweit verkauft und drängt in die Schwellenländer wie Indien und China. Dort werden allein pro Jahr rund eine halbe Million schwere Nutzfahrzeuge verkauft. Nach langen Verhandlungen hatte der Stuttgarter Konzern erst kürzlich in Indien mit dem Motorradhersteller Hero einen lokalen Partner zur gemeinsamen Lkw-Produktion gefunden. Auch in Russland drängt der deutsche Hersteller von Nutzfahrzeugen auf den Markt.

Die gemeinsame Lkw-Produktion ist am Standort Peking vorgesehen, wo Foton bereits eine große Produktion hat. Foton stellt in China zudem die Marken "Folland" und "Ollin" her. Außerdem ist eine gemeinsame Lkw-Motorenfertigung geplant, bei der vor allem technologische Unterstützung aus Stuttgart kommen soll.

Ob für die neue Produktion in China möglicherweise auch die erst im Herbst 2006 eröffnete Pkw-Fabrik von Daimler in Peking genutzt werden soll, ist noch unklar. Das Werk betreibt Daimler bereits mit der Foton-Muttergesellschaft Beijing Automotive Industrie Holdings. In dem Pkw-Werk vor den Toren der Hauptstadt fertigt Mercedes bereits die E-Klasse.

Die hochmoderne Fabrik war zunächst für eine Kapazität von jährlich 25 000 Mercedes-Limousinen und 80 000 Chrysler - und Mitsubishi-Fahrzeugen ausgelegt worden, sollte die Produktion aber in den kommenden Jahren verdreifachen. Seit dem Ende der Auto-Ehe von Chrysler und Daimler wird die integrierte Produktion nun jedoch in mühevoller Kleinarbeit wieder getrennt, dürften Kapazitäten für Daimler frei werden.

Bei Transportern arbeitet der deutsche Konzern in China mit der Fujian Motor Industry Group zusammen. Gemeinsam sollen ab dem kommenden Jahr in der südchinesischen Stadt Fuzhuo 40 000 Vans pro Jahr hergestellt werden, darunter die Mehrzweckfahrzeuge Mercedes Viano und Vito sowie Sprinter Vans. Rund 15 Prozent davon sollen davon in den Export nach ganz Asien gehen. Daimler ist an dem Gemeinschaftsunternehmen zu 34 Prozent beteiligt, Fujian mit 50 Prozent. Die übrigen Anteile hält die taiwanesische China Motor Corp.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%