Abspaltung wird vorangetrieben
Linde liebäugelt mit IPO der Stapler-Sparte

Der Verbleib der Gabelstapler-Sparte im Konzern sei „weder für die Weiterentwicklung des Unternehmensbereichs noch für Linde insgesamt die optimale Lösung“, sagte Linde-Chef Wolfgang Reitzle am Donnerstag auf der Hauptversammlung in München. Der Industriegasekonzern sieht dabei einen Börsengang des Bereichs als ernsthafte Alternative zum Verkauf.

HB MÜNCHEN. „Wir prüfen alle Optionen. Sollte sich das Börsenumfeld weiter so gut entwickeln, ist ein Börsengang eine ernsthafte Alternative“, sagte Konzernchef Wolfgang Reitzle am Donnerstag auf der Hauptversammlung in München vor rund 1800 Aktionären. „Das ist ein supergut verdienendes Unternehmen, das sich nicht scheuen muss, in Freiheit entlassen zu werden“, ergänzte er. Sollte die Sparte aber doch an einen Finanzinvestor gehen, „werden wir den richtigen aussuchen, der damit verantwortungsvoll umgeht und Material Handling in vier Jahren vielleicht einmal selbst an die Börse bringt“.

Die Wiesbadener stehen vor der größten Übernahme in der Unternehmensgeschichte. Reitzle will Linde mit dem BOC-Erwerb für rund zwölf Mrd. Euro zu einem reinen Industriegasekonzern und zur weltweiten Nummer Eins in dem Geschäft machen. Von der Gabelstapler-Sparte will sich der Konzern trennen. Auf welchem Wege das umgesetzt wird - durch einen Verkauf oder einen Börsengang - sei aber noch nicht entschieden, sagte er auf der Hauptversammlung. „Wir werden im nächsten Schritt eine Investmentbank beauftragen, um in den kommenden Wochen die von uns bisher erzielten Arbeitsergebnisse zu prüfen.“

„Die Übernahme von BOC wird ein Meilenstein in der Geschichte von Linde“, warb Reitzle bei den Aktionären für den milliardenschweren Zukauf. „Wir sind auf gutem Weg, unser Unternehmen entscheidend nach vorne zu bringen“. Mit BOC werde Linde seine Position in Wachstumsmärkten und zukunftsträchtigen Segmenten ausbauen. Der Industriegasemarkt sei mit einem für die kommenden vier Jahre prognostizierten jährlichen Wachstum von durchschnittlich sieben Prozent ein „absoluter Wachstumsmarkt.“ Von den Anteilseignern erntete der Vorstand Lob für seine Arbeit: „Sie haben Linde richtig fit gemacht. Die Aktionäre können wirklich zufrieden sein“, sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Die EU-Wettbewerbsbehörde teilte unterdessen mit, die Prüfung des geplanten BOC-Erwerbs auf Wunsch der polnischen Behörden um zwei Wochen zu verlängern und diese nun bis 6. Juni abschließen zu wollen. Die polnische Wettbewerbsaufsicht will Aspekte der Übernahme, die ihr ihr Land besonders betreffen, selbst prüfen. „Unser Zeitplan bleibt bestehen“, sagte ein Linde-Sprecher dazu. Linde erwarte die Genehmigung der Kartellbehörden weiter für Anfang Juni. Dann könnte die Transaktion im dritten Quartal 2006 vollzogen werden.

Auf Grund der sich ergänzenden Portfolios beider Firmen müsse Linde wohl nur in begrenztem Umfang Geschäfte verkaufen, um eine Genehmigung der Kartellbehörden zu bekommen. Linde werde voraussichtlich sein eigenes Gase-Geschäft in Großbritannien abgeben, bekräftigte Reitzle. In Polen, wo Linde und BOC Marktführer sind, müsse wohl das BOC-Geschäft weichen. Zudem werde sich Linde voraussichtlich von acht bis zehn Luftzerlegungsanlagen in den USA trennen. Offene Kartellfragen sieht Reitzle unverändert auch in Australien und einigen Ländern Südamerikas. Zum künftigen Sitz des vereinten Unternehmens äußerte er sich nicht. „Wir werden sicher nicht mit vier Zentralen weiter marschieren“, sagte er nur.

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