Abstoß eines Unternehmensbereich
Thyssen-Krupp baut um

Der Mischkonzern Thyssen-Krupp will eine seiner drei Dienstleistungs-Sparten verkaufen, um das Wachstum der beiden anderen Bereiche zu verstärken. Das Segment Industrie-Dienstleistungen mit einem Umsatz von rund 1,7 Mrd. Euro und 23 000 Beschäftigten, davon 12 000 in Deutschland, soll laut Konzern-Chef Ekkehard Schulz im Laufe des nächsten Jahres verkauft werden.

DÜSSELDORF. Die zum Verkauf stehende Sparte, die sich vor allem mit Wartung und Instandhaltung beschäftigt, sei hoch profitabel, sagte Konzern-Chef Ekkehard Schulz am Dienstag in Düsseldorf. Allerdings sei es der mit Abstand kleinste Bereich in der Sparte Dienstleistungen und habe die geringsten Synergien zum Kerngeschäft. Dafür will der Konzern seinen Handelsbereich ausbauen. Hier stehen Lager- und Logistiklösungen und die Weiterverarbeitung der Werkstoffe im Vordergrund. „Letztlich kann Thyssen-Krupp nicht in allen Bereichen gleichermaßen wachsen“, sagte Schulz.

Bei einem Gesamtumsatz von knapp 52 Mrd. Euro kommt Thyssen-Krupp im „Services“ genannten Handels- und Dienstleistungsbereich auf einen Umsatz von 16,7 Mrd. Euro und erzielte einen Gewinn vor Steuern von 704 Mill. Euro. Der Service-Bereich beschäftigt 43 000 Personen. Der Umsatz stieg in den vergangenen drei Jahren um rund 40 Prozent und verdreifachte das Ergebnis vor Steuern nahezu. Ziel ist nach Angaben von Schulz mittelfristig ein Umsatz von 20 Mrd. Euro und ein Ergebnis vor Steuern von einer Mrd. Euro.

Um dies zu erreichen, will sich der Konzern auf das Werkstoffhandelsgeschäft konzentrieren. „Hier besitzen wir Spitzenpositionen in Europa und gehören auch in Nordamerika zu den fünf größten Anbietern“, sagte Vorstandsmitglied Edwin Eichler, der dieses Geschäft im Vorstand verantwortet. „Wir wollen organisch und durch Akquisitionen gezielt weiter wachsen.“ Der Bereich Industrie-Dienstleistungen kann nach Aussage von Eichler dagegen nur noch begrenzt wachsen, da kaum geeignete Unternehmen zu kaufen seien und die Preise sehr hoch seien.

Über mögliche Käufer oder Preise machte der Vorstand keine Angaben. Es komme sowohl ein strategischer als auch ein Finanzpartner infrage. Es ist zwar ein Verkauf als Gesamtpaket geplant, doch sei auch eine Abgabe einzelner Teile möglich, sagte Eichler. Der Verkaufsprozess könne sich bis zum Herbst 2009 hinziehen. Eine Investmentbank sei noch nicht ausgewählt.

Nicht verkauft werden die Stahlservice-Aktivitäten in Deutschland und Brasilien mit einem Umsatz von rund 300 Mill. Euro und 7 000 Beschäftigten. Sie betreuen die Stahlwerke des Konzerns.

Das Handelsgeschäft mit Stahl, Rohren und Rohstoffen, die intern „Special Products“ genannte Sparte, soll mit Hilfe eines Partners deutlich ausgebaut werden. Derzeit kommt der Bereich auf einen Umsatz von 4,6 Mrd. Euro bei knapp über 1 000 Beschäftigten. Dafür will Thyssen-Krupp einem strategischen Partner eine Minderheitsbeteiligung von 30 bis 40 Prozent einräumen. Mit dem dann eingenommenen Geld soll das Geschäft in Asien und Osteuropa vorangetrieben werden.

Analysten bewerten die Pläne von Thyssen-Krupp überwiegend positiv. Es passe zur Philosophie des Konzerns, Randaktivitäten zu veräußern, sagte ein Beobachter. Hermann Reith von der BHF-Bank sagte, der Bereich Industriedienstleistungen sei sehr regional verteilt und nahe an Zeitarbeitsunternehmen, besonders bei der Wartung und dem Gerüstbau. Thyssen-Krupp konzentriere sich mehr auf den Handel. Die Aufnahme eines Partners für den Bereich „Special Products“ sei sinnvoll, denn dadurch erhalte der Konzern Zugang zu Rohstoffen. Reith erwartet, dass der künftige Partner eine Sacheinlage leisten werde wie die Beteiligung an einer Mine.

Den Aktienmarkt konnte Thyssen-Krupp nicht überzeugen. Die Notierung der Aktie schwankte relativ stark, war aber immer mit etwa einem Prozent im Minus.

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