Abu-Dhabi-Deal
Daimlers arabische Schutzmacht

Dem Management von Daimler dürfte ein Stein vom Herzen gefallen sein: Der Einstieg Abu Dhabis bedeutet für den Vorstand neben einer milliardenschweren Kapitalspritze auch ein Stück Planungssicherheit in schwieriger Zeit. Auch wenn es niemand so recht aussprechen will, der Deal mit dem Emirat dämpft die Angst vor einer feindlichen Übernahme.

FRANKFURT/STUTTGART. Die deutsche Regierung spricht von einem positiven Signal, auch Daimler-Boss Dieter Zetsche zeigte sich erfreut: Der Einstieg des Staatsfonds Aabar aus dem Emirat Abu Dhabi kommt für den unter der Absatzkrise leidenden Autokonzern wie gerufen. Durch die Kooperation mit der Investmentgesellschaft erhalte Daimler einen neuen „Schlüsselinvestor“, verbessere seine Kapitalsituation und bekomme einen langfristigen und starken Partner, mit dem es möglich sei, die schwierigen Zeiten in der Branche zu meistern, sagte Zetsche.

Bereits am Sonntagabend hatten der Staatsfonds und der Autobauer verkündet, dass Aabar sich mit 9,1 Prozent bei Daimler einkauft und damit zum wichtigsten Anteilseigner wird. Der Deal bringt dem Stuttgarter Konzern 1,95 Mrd. Euro. Der Investor aus Abu Dhabi wird von der staatlichen International Petroleum Investment Company (Ipic) kontrolliert. Der Einstieg bei Daimler wird durch die Ausgabe neuer Aktien vollzogen.

Daimler und Aabar wollen künftig bei verschiedenen Projekten zusammenarbeiten, etwa bei der Entwicklung von Elektrofahrzeugen, neuen Verbundwerkstoffen auf petrochemischer Basis sowie der Ausbildung von jungen Ingenieuren in der Golfregion. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen strebt Abu Dhabi bei seinem Projekt einer ersten CO2-freien Stadt der Welt eine enge Zusammenarbeit mit den Stuttgartern an. „Wir sehen uns da als natürlichen Partner“, sagte Daimler-Chef Zetsche. Für rund 15 Mrd. Dollar entsteht derzeit in Abu Dhabi eine Forschungsstadt mit 50 000 Einwohnern, die ihre eigene Energie produziert, ohne Autoverkehr auskommt und kein CO2 ausstoßen soll. Daimler verfügt durch ein Joint Venture mit dem Essener Industriekonzern Evonik seit kurzem über Know-how bei der Fertigung von Lithium-Ionen-Batterien. Die Stuttgarter hatten erst Anfang März den Startschuss für das Gemeinschaftsprojekt gegeben.

Eine Fahrzeug-Fertigung Daimlers in Abu Dhabi ist dagegen nicht geplant. Der Staatsfonds sehe sich der Förderung „sauberer Energien“ verpflichtet, betonte Aabar-Chef Khadem Al Qubaisi. In die Unternehmensstrategie von Daimler wolle Ipic nicht eingreifen, aber mehr Einfluss nehmen als der zweite Aktionär, Kuwait. „Das Management macht einen hervorragenden Job, wir wollen von ihm lernen und uns aus dem Tagesgeschäft heraushalten.“

Der neue Daimler-Großaktionär schloss am Montag eine weitere Aufstockung seiner Beteiligung an dem Automobilhersteller allerdings nicht aus. „Eine mögliche Erhöhung des Anteils muss später untersucht werden. Im Moment sind wir zufrieden mit 9,1 Prozent“, sagte der Chef des Staatsfonds, der im blaugrauen Nadelstreifenanzug in Stuttgart auftrat.

Auch die Politik begrüßte das Engagement von Aabar. „Die Bundesregierung sieht das als ein positives Signal. Mit der Investition werden auch die langfristigen Wachstumschancen und die Leistungsstärke der Branche in Deutschland anerkannt“, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm am Montag in Berlin.

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