Abu Dhabi
Ferrostaal winken Milliarden-Aufträge aus Arabien

Angesichts der Finanzkrise wird der Mittlere Osten zunehmend zum Hoffnungsträger für deutsche Unternehmen. So winken der früheren MAN-Tochter Ferrostaal Milliarden-Umsätze bei der Entwicklung der petrochemischen Anlage Chemaweyaat in der Nähe von Abu Dhabi. Auch MAN verpricht sich von dem Projekt Vorteile.

ABU DHABI. „Bei dem Projekt wird ein großer Anteil für MAN Ferrostaal abfallen“, sagte Khadem Al Qubaisi, Chef des Staatsfonds International Petroleum Investment Company (IPIC). Der Komplex Chemaweyaat, an dem IPIC zu 40 Prozent beteiligt ist, hat ein Kostenvolumen von mehr als 50 Mrd. Dollar und soll eine der größten Chemiefabriken der Welt werden. Außerdem plant der Fonds Kraftwerke und Raffinerien in Libyen und Kasachstan.

„Unsere Erwartungen sind sehr hoch“, sagte der Chef von MAN Ferrostaal, Matthias Mitscherlich, dem Handelsblatt. „Wir erhoffen uns in der ersten Phase Aufträge über mehrere Mrd. Dollar.“ Am Samstag wurde der Vertrag über den im Oktober vereinbarten Verkauf von 70 Prozent der MAN-Ferrostaal-Anteile an IPIC in Abu Dhabi unterzeichnet. MAN hält bis auf weiteres 30 Prozent, will diese bis 2010 an IPIC abtreten. Das Hauptquartier von MAN Ferrostaal soll in Essen bleiben.

Der MAN-Konzern hat die auf Anlagenbau und Projekt-Management spezialisierte Ferrostaal veräußert, um sich verstärkt auf sein Kerngeschäft mit Nutzfahrzeugen, Diesel-Motoren und Turbo-Maschinen zu konzentrieren. „Auf lange Sicht ist Ferrostaal bei IPIC besser aufgehoben als bei uns“, sagte MAN-Chef Hakan Samuelsson. Der Staatsfonds IPIC verfügt über ein Portfolio von rund 15 Mrd. Dollar und investiert bislang vor allem in den Öl- und Gas-Sektor. Die 1984 gegründete Gesellschaft hält Anteile an dem österreichischen Öl-Konzern OMV und an der spanischen Energiefirma CEPSA.

MAN Ferrostaal erhofft sich durch die Mittelost-Aktivitäten eine deutliche Ankurbelung des Geschäfts. So hat Firmen-Chef Mitscherlich angekündigt, den Umsatz des 4 200 Mitarbeiter umfassenden Unternehmens von zuletzt rund 1,5 Mrd. Euro bis 2014 zu verdreifachen. „Der Anteil des Mittleren Ostens und Nordafrikas wird dann zwischen 30 und 50 Prozent betragen“, sagte Mitscherlich. Im Moment steuert die Region noch wesentlich weniger zum Umsatz bei, weil MAN Ferrostaal hauptsächlich Handelsgeschäfte betreibe und bislang kaum Projekte gemanagt habe. Für das Engagement im Mittleren Osten und in Nordafrika wird eine Gemeinschaftsfirma mit dem Namen IPIC-MAN Ferrostaal (IMF) gegründet. Diese soll nach der kartellrechtlichen Genehmigung im ersten Quartal den Betrieb aufnehmen und bis zu 500 Mitarbeiter in Abu Dhabi beschäftigen. Beim Wachstum in der Region wolle sich MAN Ferrostaal auf den neuen Partner IPIC verlassen, sagte Mitscherlich. Der Staatsfonds habe enge Beziehungen zu den Golfstaaten Katar und Oman sowie zum Irak.

Auch MAN rechnet durch die Partnerschaft mit IPIC mit Pluspunkten. „Wir wollen in der Region bekannter werden und versprechen uns beim Aufbau unseres Distributionsnetzes Vorteile“, sagte MAN-Chef Samuelsson dem Handelsblatt. Sein Unternehmen verkaufe im Mittleren Osten rund 10 000 Nutzfahrzeuge pro Jahr, etwa doppelt so viele wie vor fünf Jahren. Bereits heute erziele MAN in der Region hinter Osteuropa und Russland die größten Wachstumsraten. Die Finanzkrise macht MAN dennoch insgesamt schwer zu schaffen. „Unser Markt ist sehr stark abhängig von Krediten“, räumte Samuelsson ein. „Die jetzige Lage ist schlimmer als 2001 und 1992, ich habe noch nie einen so schnellen Rückgang von Auftragseingängen erlebt.“

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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