Abwärtstrend
In der britischen Autoindustrie schrillen die Alarmglocken

Bei Unternehmen der britischen Autoindustrie wächst die Sorge, in der internationalen Bedeutungslosigkeit zu versinken. Fehlender Ingenieursnachwuchs, schlechtes Management und Kostennachteile gegenüber Osteuropa und Asien bedrohten die Branche, warnt eine am Mittwoch veröffentlichte Studie.

LONDON. Die Studie wurde von der angesehenen Ingenieurs- und Beratungsfirma Ricardo und der von Regierung und Industrie getragenen Automotive Academy verfasst. Während die Gewerkschaften ebenso verzweifelt wie erfolglos gegen eine Serie von Werksschließungen kämpfen, bestreitet die Regierung, dass es eine Krise gibt.

„Faktisch gibt es zwei verschiedene Autoindustrien in Großbritannien“, urteilen die Autoren der Studie nüchtern, „eine japanische und eine nicht-japanische“. Japanische Autohersteller wie Nissan und Toyota hätten ihre Zulieferer in ihre Prozesse integriert und so deren Qualität und Produktivität stark verbessert. In anderen Zulieferketten mangele es hingegen an Qualität ebenso wie an langfristiger Planung.

Während Regierungsvertreter die internationalen Investitionen in die Autoindustrie gerne als Beleg für deren Wettbewerbsfähigkeit heranziehen, sehen die Autoren der Studie einen Nachteil darin, dass es in der Branche kaum noch britische Firmen gibt. Dieser Mangel führe dazu, dass Design, Forschung und Entwicklung kaum noch im Land stattfänden. Zudem seien ausländische Investoren schneller bereit, ihre Produktion in billigere Länder zu verlagern.

Bei Schließungen sind die Briten zuerst dran

Die vergangenen Wochen gaben ihnen Recht: Peugeot kündigte die Schließung des Werkes in Ryton bei Coventry an und GM will eine Schicht in Ellesmere Port bei Liverpool streichen. Für die Gewerkschaft T&G ist damit bewiesen, dass der von Investoren meistgenannte Vorteil der flexiblen Arbeitsmärkte zugleich der größte Nachteil für die Briten sei. Wenn internationale Konzerne Werke schlössen, seien die britischen zuerst dran, klagen Gewerkschafter. Die Schließung von Ryton sei „ein weiterer Nagel im Sarg der Autoindustrie“, sagt T&G-Generalsekretär Tony Woodley. Unsinn, schallt es aus dem Wirtschaftsministerium zurück: „Das war kein Nagel und es gibt auch keinen Sarg.“

Rund 780 000 Briten arbeiten in der Autoindustrie inklusive der Zulieferer. Sie erwirtschaften 8,5 Mrd. Pfund (rund zwölf Mrd. Euro) an Wertschöpfung. Mit unter zehn Prozent der Exporte und rund einem Prozent am Bruttoinlandsprodukt hat die Branche im dienstleistungsorientierten Großbritannien längst nicht die Bedeutung wie in Deutschland. Aber als Traditionsbranche ist sie ein wichtiger Bestandteil der heimischen Industrie.

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