Abwanderung
Aurubis lenkt Investitionen ins Ausland um

Aurubis will außerhalb von Europa investieren und die Tätigkeit in den EU-Staaten kurz halten. Grund sind hohe Energiekosten. Das Beispiel Aurubis macht klar: Die Erosion der industriellen Basis - der Stütze des aktuellen Wirtschaftsaufschwungs - läuft bereits.
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DÜSSELDORF. Der Kupferproduzent Aurubis will seine Kapazitäten außerhalb Europas ausbauen. Die Standorte in Deutschland und anderen europäischen Ländern werden wegen der hohen Energiekosten hingegen künftig kurz gehalten. "Wenn wir investieren, dann gehen wir bevorzugt in wachsende Märkte", sagte Vorstandschef Bernd Drouven dem Handelsblatt (Dienstagausgabe). In den Industrieländern, in denen die Wirtschaft deutlich weniger zulegt oder gar stagniert, spare und optimiere der Konzern. Er könne nicht in etwas investieren, wenn die Wettbewerbsfähigkeit nicht gegeben sei.

Aurubis benötigt für die Kupferherstellung große Mengen an Energie. Strom kostet in Deutschland aber laut Experten rund doppelt so viel wie außerhalb Europas; Grund dafür sind im Wesentlichen staatliche Auflagen wie die Umlage der Förderkosten für den Ausbau der Solar- und Windenergie. "Dabei bekommen wir für die Kupferproduktion nicht einen Euro mehr als ein Hersteller aus Südamerika oder Asien", beklagte Drouven. Der Kupferpreis orientiert sich an der Londoner Börse LME und ist damit weltweit gleich.

Mit seiner Skepsis gegenüber dem Standort Deutschland steht Drouven nicht alleine da. "Die Energiepolitik in Deutschland wird dazu führen, dass das Land in die Gefahr einer schleichenden Deindustrialisierung gerät", sagte der Chef des Grafit-Spezialisten SGL Carbon, Robert Koehler, dem Handelsblatt. Auch Drouven sieht diese Gefahr: "Der Begriff Abwandern klingt dramatisch, so wird es nicht kommen." Still und leise würden die Unternehmen Investitionsentscheidungen für andere Weltregionen fällen.

Die Erosion der industriellen Basis - der Stütze des aktuellen Wirtschaftsaufschwungs - läuft bereits. Beispiel: SGL Carbon. Der Konzern baut seine neue Karbonfaser-Fabrik in den USA. "Gerne hätten wir diese in Deutschland angesiedelt, aber der Betrieb ist von den Energiekosten zu teuer", sagte Koehler. Am US-Standort ist Strom um ein Drittel billiger.

Um die Präsenz im Ausland zu stärken, setzt Aurubis-Chef Drouven auf Akquisitionen. "Wir schauen uns nach neuen Standorten in Asien und Südamerika um." Es gebe dort mehrere interessante Aktivitäten, die Aurubis sich anschaue. "Um aber die Risiken auszuräumen, müssen noch einige Fragen geklärt werden."

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