Abwanderung in Billiglohnländer
Continental will Produktion verlagern

Der Autozulieferer Continental plant eine weitere Verlagerung von Arbeitsplätzen in Billiglohnländer. Das hat der Chef des Unternehmens, Manfred Wennemer, in einem Zeitungsinterview angedeutet - ein Nachteil für die Arbeitnehmer, ein Vorteil für Aktionäre.

HB FRANKFURT. In der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ sagte Wennemer auf die Frage, ob er über kurz oder lang alle deutschen Standorte für die Reifenproduktion schließen werde: „Die Lohnkosten machen im Reifengeschäft etwa 30 Prozent aus. Da ist es schwierig, sich gegen hocheffiziente, moderne Werke in Niedrigkostenstandorten auf Dauer zu behaupten“.

Aber nicht nur die Reifenproduktion, sondern ebenfalls hochqualifizierte Aufgaben seien von Verlagerungen betroffen. „Auch die Entwicklung wandert zum Teil auf den Spuren und auf Wunsch der Kunden, zum Teil kostengetrieben - nach Osteuropa, China oder Mexiko“, sagte Wennemer. Den Aktionären stellte er eine höhere Dividende in Aussicht. Außerdem kündigte er an, Teile des insolventen US-Autozulieferers Delphi übernehmen zu wollen. „Wir haben unsere Pläne in der Schublade. Wenn sich die richtige Gelegenheit bietet, sind wir da.“

Der Konzernchef verteidigte zugleich seine Entscheidung, trotz Rekordgewinn 320 Stellen am Stammsitz Hannover zu streichen. „Die Rekordgewinne beruhen auf dem, was wir in der Vergangenheit richtig gemacht haben. Darauf kann ich mich nicht ausruhen“, sagte er. Und weiter: „Wir müssen angesichts des zunehmenden Wettbewerbs aus China und Korea auch in den kommenden Jahren konkurrenzfähig sein.“ Kritik aus der Politik am Stellenbau wies er zurück. Rentabilität sei „keine Frage der deutschen Politik, sondern der weltweiten Märkte.“ Conti sei auf internationale Investoren angewiesen, nur 10 Prozent der Aktionäre seien Deutsche.

Unterdessen drängen die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat des Reifenherstellers darauf, dass die Schließung des Pkw-Reifenwerks in Hannover-Stöcken rückgängig gemacht wird. „Es wird einen Antrag der Arbeitnehmervertreter geben, das Thema auf die Tagesordnung zu setzen“, sagte IG-BCE-Vorstandsmitglied Werner Bischoff in der in Hannover erscheinenden „Neuen Presse“. Man werde Wennemer auffordern, von seiner radikalen Strategie Abstand zu nehmen, sagte Bischoff, der auch stellvertretender Vorsitzender im Conti- Aufsichtsrat ist. „Ich erwarte, dass jemand in seiner Position mehr soziale Verantwortung übernimmt als er es getan hat“, erklärte der Gewerkschafter.

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