Abwehrkampf gegen ACS
Hochtief-Aktionäre verbünden sich

Spanische und deutsche Kleinaktionäre verbünden sich im Abwehrkampf von Hochtief gegen den spanischen Konzern ACS. Auch bei dem deutschen Unternehmen selbst formiert sich immer mehr Widerstand gegen den spanischen Konzern. Wie Hochtief für seine Eigenständigkeit kämpft.
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MADRID/DÜSSELDORF. Der Abwehrkampf von Hochtief gegen den spanischen Bau- und Energiekonzern ACS führt zu neuen Allianzen. Spanische und deutsche Kleinaktionäre verbünden sich und gehen nun gemeinsam vor. „Das Übernahmeangebot hat negative Konsequenzen für die Aktionäre beider Seiten, daher weisen wir sie kategorisch zurück“, schreiben Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), sowie Henning Wegener, Chef des spanischen Verbands der Minderheitsaktionäre (AEMEC), in einer gemeinsamen Erklärung.

DSW und AEMEC raten den Kleinaktionären von Hochtief, nicht an der Übernahme teilzunehmen. Sie sehen darin den Versuch, „geltendes Übernahmerecht auszuhebeln“. Sie rufen deshalb die deutschen und europäischen Aufsichtsbehörden auf, die Minderheitsaktionäre zu schützen. Sie halten das Angebot für „völlig unattraktiv und unangemessen“. Der spanische Konzern will umgerechnet 55,68 Euro je Hochtief-Aktie zahlen. Gestern notierte das Papier über 63 Euro.

Außerdem kritisieren DSW und AEMEC, dass ACS den Anlegern nicht den wahren Sinn der Offerte offen legt. Der spanische Konzern teile nur mit, dass es darum gehe, „die rechtlichen Vorgaben des geltenden Übernahmerechts zur erfüllen“, schreiben die Aktionärsschützer. Aber „über den wahren Zweck der Offerte“ und „die längerfristigen Ziele“ lasse der Konzern die Anleger im Unklaren. Damit lasse ACS die Intention des Übernahmerechts „zur Farce“ werden.

Auch bei Hochtief selbst formiert sich immer mehr Widerstand gegen den spanischen Konzern, der erst die 30-Prozent-Hürde überwinden und dann mittelfristig über die Börse weiter zukaufen und so die Mehrheit erreichen will.

Der Betriebsrat von Hochtief befürchtet einen massiven Stellenabbau nach einer möglichen Übernahme durch ACS. „Für den gesamten Industriestandort Deutschland würde das eine Katastrophe bedeuten“, sagte der Hochtief-Konzernbetriebsratschef Siegfried Müller der Nachrichtenagentur dpa.

Den Beteuerungen des spanischen Unternehmens, keine Stellen streichen und die Essener Konzernzentrale erhalten zu wollen, glaube er nicht, sagte Müller. „Unser Vertrauen in eine solche Aussage ist gleich Null.“ Von möglichen Stellenstreichungen bei einer ACS-Übernahme sieht er vor allem die Beschäftigten in Deutschland bedroht, wo die Beschäftigtenzahl von 7 751 im Jahr 2003 bis zum vergangenen Jahr auf rund 11 153 Beschäftigte gestiegen sei.

Auf die angekündigte Offerte von ACS werde man nun mit Gegenwehr reagieren. Müller kündigte kurzfristig erste Maßnahmen an.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin

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