Abwehrkampf gegen Schaeffler
Conti: Rettungsanker verzweifelt gesucht

Im Abwehrkampf gegen den Familienkonzern Schaeffler hat der Autozulieferer Continental die Finanzaufsicht BaFin zu Hilfe gerufen und einen Brief an die Bonner Behörde geschickt. Eine BaFin-Sprecherin bestätigte am Dienstag den Eingang des Conti-Briefs. Die Kontrolleure schauen sich den Fall Finanzkreisen zufolge "nicht nur von außen an", sondern haben bereits eine interne Untersuchung eingeleitet.

hz/HB DÜSSELDORF. In dem Brief rechnet der Automobilzulieferer Finanzkreisen zufolge vor, dass Schaeffler bereits Zugriff auf 36 Prozent der Stimmrechte hat. Folgt die Finanzaufsicht dieser Einschätzung, müsste Schaeffler ein Pflichtangebot für sämtliche Conti-Aktien abgeben, wenn die Gruppe ihre Optionen ausübt. Kontrolliert ein einzelner Aktionär mindestens 30 Prozent der Stimmrechte, ist er dazu verpflichtet. Solange kein Pflichtangebot vorliegt, kann Conti sich nicht aktiv gegen den Übernahmeversuch wehren.

Zudem habe Schaeffler Continental mitgeteilt, mehr als 30 Prozent der Aktien auch tatsächlich erwerben zu wollen und eine Finanzierungsbestätigung der Royal Bank of Scotland vorgelegt. Die BaFin, die in Kontakt mit den beteiligten Unternehmen stehen soll, lehnte eine Stellungnahme dazu ab, ebenso Schaeffler und Continental.

Mit der Zwischenschaltung eine Gruppe internationaler Banken, die Schaeffler mit Optionen ausgestattet haben, ist es dem Unternehmen aus Herzogenaurach nach Handelsblatt-Informationen gelungen, die Meldepflichten für derartige Börsengeschäfte zu unterlaufen. Normalerweise müssen Firmen eine Beteiligung von drei Prozent an einem Unternehmen unverzüglich öffentlich bekanntmachen. Mit Optionen sichert man sich das Recht, Wertpapiere in einem Zeitraum oder zu einem festgelegten Zeitpunkt kaufen zu können. Dabei wird der Preis vorab definiert.

Schaeffler muss nach Aussage der BaFin kein Übernahmeangebot wegen seiner 28 Prozent Cash-Swaps auf Conti machen, so lange es sich dabei um eine reine Barofferte handelt. Nur wenn es eine Option auf einseitig im Rahmen einer rechtlich bindenden Vereinbarung mit Stimmrechten verbundene Aktien ist, besteht Meldepflicht. So war das auch bei Porsche, die sich ebenfalls beim Einstieg massenhaft mit Cash-Optionen auf VW eingedeckt haben.

Dem Continental-Kurs an der Frankfurter-Börse gaben die Spekulationen erneut Auftrieb: Gegen den tiefroten Trend lag das Conti-Papier am Dienstagnachmittag gut vier Prozent im Plus.

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