Abwrackprämie
Fiat holt Mitarbeiter zurück ans Band

Die Hilfen der italienischen Regierung für die Autoindustrie zeigen erste Wirkung. Der italienische Autokonzern Fiat ruft 8 200 Mitarbeiter zurück in die Fabrik. Zwar hat die Abwrackprämie viele Italiener zum Kauf eines neuen Fiat verleitet – doch noch steht das Okay der EU-Kommission für die Staatshilfe aus.

MAILAND. Wie das Turiner Unternehmen den Gewerkschaften mitteilte, werden die Mitarbeiter, die Fiat vorübergehend nach Hause geschickt hat, im März wieder ans Band geholt. Betroffen sind die drei Standorte Mirafiori, Termini Imirese und Melfi. Begründet hat die Unternehmensführung den Schritt mit den höheren Auftragseingängen. Außerdem wird Fiat in Melfi an drei Samstagen Sonderschichten fahren, um der Nachfrage nachzukommen.

Die Regierung in Rom hatte vor wenigen Wochen beschlossen, ähnlich wie in Deutschland den Autoherstellern in der Krise mit Verschrottungsprämien zu helfen. Käufer eines Neuwagens erhalten bis zu 1 500 Euro, wenn sie einen mindestens zehn Jahre alten Gebrauchtwagen verschrotten. Autokäufer, die sich für ein Hybrid-Fahrzeug oder einen Wagen mit Elektromotor oder Gasantrieb entscheiden, können zusätzlich dazu weitere 3 500 Euro erhalten.

Mit diesen großzügigen Unterstützungen scheinen sich viele Italiener zum Kauf eines Neuwagens verleiten zu lassen. Vor allem die Nachfrage nach dem Fiat Grande Punto mit Methanantrieb ist dank der Staatshilfen stark gestiegen. Aber nicht nur die Mitarbeiter der Punto-Produktion kehren zurück in die Fabrik. Auch die Angestellten, die den Fiat Multipla mit Methan-Antrieb, den Lancia Ypsilon und den neuen Mito von Alfa Romeo herstellen, nehmen ihre Arbeit wieder auf. Die Gewerkschaften begrüßten die Entscheidung des Managements.

Fiat ist wie alle Autokonzerne weltweit von der Wirtschaftskrise betroffen. Vor allem im vierten Quartal des vergangenen Jahres sind die Umsätze dramatisch eingebrochen. Der Traditionskonzern, der im vergangenen Jahr knapp 60 Mrd. Euro umgesetzt hat, rechnet in diesem Jahr nur noch mit einem Gewinn von 300 Mio. Euro, was deutlich unter den vorherigen Prognosen liegt und hat auch die Dividende komplett gestrichen.

Wie am Wochenende bekannt wurde, hat sich Fiat von einer Gruppe von Banken eine Kreditlinie gesichert und kann so eine Kapitalerhöhung vorerst vermeiden. Laut Medienberichten sollen Intesa Sanpaolo, Unicredit und Calyon eine Kreditlinie über eine Mrd. Euro mit dreijähriger Laufzeit unterschrieben haben.

Trotz der positiven Nachrichten über höhere Auftragseingänge hat der Aktienkurs von Fiat am Freitag in einem insgesamt schwachen Marktumfeld erneut deutlich verloren. Noch müssen die Staatshilfen auch das endgültige Okay der EU-Kommission erhalten. Die Kommission hat Bedenken geäußert, weil die staatlichen Hilfen in Italien an Beschäftigungszusagen gebunden sind.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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