Abwrackprämie
„Staatshilfen werden den Trend in der Autobranche nicht drehen“

Mit mindestens 50 Milliarden Dollar haben die Regierungen weltweit nach Berechnungen von Deloitte die Autobranche gestützt. Martin Hölz, Partner der Beratungs- und Prüfungsgesellschaft, ist der Meinung, das Geld sei gut angelegt. Auch für ihn gibt es Gewinner und Verlierer der Abwrackprämie.

Herr Hölz, weltweit greifen die Regierungen inzwischen der Autobranche unter die Arme. Wie viel Steuergelder werden dafür insgesamt eingesetzt?

Nach unseren Berechnungen haben die Regierungen in den weltweit 18 größten Automärkten mindestens 50 Milliarden US Dollar in die Hand genommen, um die Autoindustrie zu stützen. Rund ein Sechstel der staatlichen Fördergelder geht davon allein in direkte Verkaufshilfen, insbesondere in das Ersetzen von Altfahrzeugen wie beispielsweise die Abwrack- bzw. Umweltprämie. Die übrigen Mittel werden auch für staatliche Kredite an die Hersteller für Themen wie die Entwicklung energieeffizienterer Motoren verwendet, beispielsweise durch die Europäische Investitionsbank.

Der VDA glaubt, dass die staatlichen Hilfen in den nächsten Monaten weltweit weiter den Abwärtstrend an den Automärkten dämpfen werden. Sehen Sie das auch so?

Ja, absolut. Kurzfristig werden die staatlichen Maßnahmen den weltweiten Abschwung in der Branche sicher dämpfen. Dennoch werden diese Maßnahmen den Trend nicht drehen können ‒ 2009 werden die weltweiten Verkaufszahlen Minuszeichen tragen. Allein in Europa wird ein Umsatzminus von rund 20 Prozent prognostiziert. Insofern kommen die staatlichen Förderprogramme, die ja bereits kurzfristig wirken, zum richtigen Zeitpunkt.

Welche Bedeutung haben die weltweiten Prämien für die deutschen Hersteller?

Auch die deutschen Hersteller verkaufen global und profitieren deshalb auch von den staatlichen Förderprogrammen im Ausland. Für Autobauer wie Volkswagen, Audi und BMW ist Deutschland ja längst nicht mehr der wichtigste Markt. Schaut man jedoch auf die einzelnen Autobauer, ergibt sich ein sehr differenziertes Bild. Denn die deutschen Premiumhersteller profitieren in einem geringeren Maße von den Maßnahmen als die Volumenhersteller.

Sind BMW und Daimler also die großen Verlierer der Entwicklung?

BMW, Daimler und Audi sind sicher Verlierer, was das Profitieren von staatlichen Fördermitteln angeht. Dass sie allerdings mittelfristig auch zu den Verlierern auf dem Automarkt zählen werden, glaube ich dagegen nicht. Alle deutschen Premiumanbieter arbeiten derzeit fieberhaft an Innovationen, die Kunden derzeit nachfragen, wie beispielsweise kleinere, effizientere Motoren oder Elektrofahrzeuge.

Und wer sind die Gewinner?

Relativ gesehen sind dies natürlich auf dem deutschen Markt die ausländischen Importeure, die aktuell die höchsten Zuwachsraten verbuchen. Nichtsdestotrotz darf man nicht vergessen, dass in deren Fahrzeugen auch viele Komponenten von deutschen Zulieferern stecken, sodass es auch dem Standort Deutschland zugute kommt.

Kritiker wie Daimler-Chef Dieter Zetsche befürchten, dass mit den Prämien ein riesiges Strohfeuer entfacht wird. Wird die Branche 2010 mit einem Kater wieder aus dem Abwrackrausch aufwachen?

Man muss differenzieren. Ich denke, dass viele Importeure in Deutschland im nächsten Jahr mit einem Kater rechnen müssen, da gerade bei den Kleinwagen viel Nachfrage durch die Prämien vorgezogen wurde. So werden die 900.000 Privatkunden, die dieses Jahr dank Prämie in Deutschland einen Neuwagen oder Jahreswagen gekauft haben, 2010 sicherlich dem Automarkt fehlen. Andererseits ist nicht ersichtlich, warum die Premiumhersteller, die derzeit von der Prämie nicht so stark profitieren, im nächsten Jahr mit einem Kater aufwachen sollten. Daimler hat beispielsweise bereits über 40.000 Vorbestellungen für die neue E-Klasse vorliegen – das ist nicht schlecht in diesem Segment.

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