Accessoires boomen – Große Marken schließen sich zu Konglomeraten zusammen
Luxus weckt wieder Begehrlichkeiten

Die Luxusgüterindustrie präsentiert sich strahlender denn je. Nach den Krisenjahren in Folge von Terroranschlägen und Sars-Epidemie wächst die Branche wieder. Die Zuwächse liegen in diesem Jahr bei zehn Prozent oder mehr – und damit deutlich über den acht Prozent der Boomjahre 1999 und 2000. Doch es ist nicht alles Gold was glänzt. Während Accessoires wie Uhren, Schmuck und Taschen glänzen, bleibt edler Zwirn ein fadenscheiniges Geschäft.

HB DÜSSELDORF. Die Luxusgüterindustrie hat sich seit Ende der 90er Jahre konsolidiert. Internationale Luxusmarken haben sich zu Konglomeraten zusammengeschlossen. Branchenprimus und bestes Beispiel für diese Strategie ist LVMH. Das Portfolio der französischen Gruppe ist mit Marken wie Louis Vuitton (Taschen), Tag Heuer (Uhren) und Moet & Chandon (Champagner) breit gestreut. Die einzelnen Marken werden zudem über alle Produktgruppen ausgebaut. Von Louis Vuitton etwa gibt es nicht mehr nur Koffer, sondern auch Mode und Schmuck. Für das erste Halbjahr meldete LVMH ein Umsatzplus von zehn Prozent.

„Luxusgütergruppen können ihre Markenpotenziale besser ausschöpfen und Synergien in der Wertschöpfungskette heben“, sagt Thomas Tochtermann. Für den Konsumgüterspezialisten von McKinsey sind Konglomerate erfolgreicher als Ein-Marken-Häuser.

Ein Gradmesser der Branche sind die Exporte der Schweizer Uhrenindustrie. Von Januar bis Juli legten diese wertmäßig um elf Prozent auf 5,6 Mrd. Schweizer Franken zu. „Hier spiegelt sich die Lust auf Luxus wider. Momentan gilt: Je höherpreisiger die Uhr, desto besser verkauft sie sich“, sagt René Weber, Analyst bei der Schweizer Privatbank Vontobel.

Wieder richtig in Fahrt gekommen ist der Schweizer Schmuck- und Uhrenkonzern Compagnie Financière Richemont. Von April bis August stiegen die Umsätze des weltweit zweitgrößten Luxuskonzerns mit Marken wie Cartier, Lange & Söhne und Mont Blanc um 16 Prozent – der Zuwachs übertraf sogar die Erwartungen der Analysten, die bei einem Plus von zwölf Prozent lagen.

Der neue Glanz der Branche treibt die Spekulationen. Als Übernahmekandidaten gelten der US-Juwelier Tiffany sowie der italienische Uhren- und Schmuckkonzern Bulgari. Nicht wirklich Luxus, aber dennoch hochinteressant für die Branche ist der nach unbestätigten Medienberichten zum Verkauf stehende US-Kleiderkonzern Tommy Hilfiger. Im Portfolio hier schlummern die Marken des Couturiers Karl Lagerfeld.

Ihren Hauptaugenmerk richten die Luxusgüterhersteller auf China. Das Reich der Mitte gilt in Bezug auf Luxus als die Goldgrube der Zukunft. Vom weltweiten Luxusgütermarkt, der auf 120 und 150 Mrd. US-Dollar geschätzt wird, nehmen die Chinesen nach einer Vontobel-Studie bereits heute zwölf Prozent ein. Bis 2008 soll ihr Anteil bereits bei 20 Prozent liegen.

Noch nicht wieder richtig en vogue ist Luxusmode. In Europa und den USA hat die Konsumflaute die Edelschneider fest im Griff und in Asien kommen westliche Schnitte und Stoffe nur bedingt an. „Der Markt für luxuriöse Damenmode bleibt schwierig“, sagt etwa Wolfgang Ley, Gründer und Vorstandschef von Escada.

Anders als Uhren oder Schmuck sind Kleider zudem keine langlebigen Statussymbole, sondern Saisonartikel. Modekonzerne wie Hugo Boss, Escada, Prada oder Gucci setzen deshalb mehr auf Accessoires. „Der Kampf um Aufmerksamkeit ist bei Mode härter als bei anderen Luxusgütern und reicht tiefer. Hugo Boss und Co. konkurrieren auch mit Bekleidungsketten wie etwa Zara“, sagt Tochtermann von McKinsey.

Tanja Kewes
Tanja Kewes
Handelsblatt / Chefreporterin
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