ACEA-Zahlen
Deutsche sorgen für Wachstum auf Europas Automarkt

Deutschland ist der einzige große Automarkt mit steigender Nachfrage. Doch die Hersteller sind teilweise selbst für die Zuwächse verantwortlich, Experten rechnen für 2012 mit einer Rezession am europäischen Automarkt.
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Düsseldorf/BrüsselIn Europa sind im September nur moderat mehr Autos verkauft worden als im gleichen Vorjahresmonat. Vor allem angetrieben durch die Nachfrage in Deutschland, seien die Pkw-Neuzulassungen in der Europäischen Union um 0,7 Prozent auf etwas mehr als 1,2 Millionen Neuwagen gestiegen , teilte der europäische Branchenverband ACEA am Dienstag mit. Während in Italien, Frankreich, Spanien und in Großbritannien die Nachfrage sank, war Deutschland der einzige große Markt mit steigender Nachfrage. Hier wurden 8,1 Prozent mehr Autos zugelassen (280.689 Fahrzeuge).

Aber für den Zuwachs auf dem deutschen Markt sind laut Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen, zum Teil die Hersteller selbst verantwortlich. "30 Prozent aller Neuwagen wurden im Monat September von den Autobauern oder den Autohändlern in die Zulassungen gebracht", so Dudenhöffer. "Das ist die höchste Zahl an taktischen Zulassungen in einem September in den letzten fünf Jahren." Als taktische Zulassungen werden die Neuzulassungen von Herstellern und Autohändlern bezeichnet.

Bei einigen Herstellern fallen mehr als die Hälfte der neu zugelassenen Fahrzeuge in Deutschland unter diese taktischen Zulassungen. So sind beispielsweise 291 der 429 im September zugelassenen Subarus Händler-Fahrzeuge, das entspricht 67,8 Prozent. Mit Ausnahme von Porsche (47,3 Prozent) und Opel (43,9 Prozent) liegen die deutschen Hersteller bei dem Anteil der taktischen Zulassungen im Mittelfeld.

"Ein Markt, bei dem 30 Prozent aller Neuwagen als taktische Zulassungen auf die Straße kommen, zeigt deutliche Spuren einer Nachfrageschwäche", sagt der Duisburger Autoexperte. "Die Jubelzahlen des Monats September in den offiziellen Zulassungszahlen geben also die Situation im deutschen Automarkt nicht richtig wieder." Für 2012 rechnet Dudenhöffer mit einer Rezession: Nach seiner Prognose werden im kommenden Jahr in der EU noch 12,9 Millionen Autos verkauft, 300.000 Fahrzeuge weniger als 2011. Dudenhöffer bilanziert: "Die europäische Schuldenkrise ist im europäischen Automarkt angekommen."

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