Acht internationale Konzerne produzieren im Land – Sport und Luxus als Aushängeschilder
Englands Autoindustrie floriert auch ohne britische Hersteller

Von Rolls-Royce bis Mini – die Autoindustrie in Großbritannien bedient mit Erfolg ein breites Spektrum. Das Ableben von MG Rover empfindet hier niemand als Krisensignal. Im Gegenteil: Die britische Produktion war 2004 um die Hälfte höher als vor zwei Jahrzehnten.

LONDON. Unauffällig duckt sich der gläserne Flachbau mit dem begrünten Dach in die Parklandschaft. Hölzerne Lamellen filtern das Sonnenlicht. Drinnen ist es so ruhig, dass man sich in Zimmerlautstärke unterhalten kann. Es duftet nach Leder und Holz. Die Rolls-Royce-Fabrik im südenglischen Goodwood ähnelt eher einer Möbelmanufaktur als einem Autowerk. Vier bis fünf Autos des Modells „Phantom“ verlassen am Tag die Fabrik, mehr als zwei Stunden dauert eine Arbeitsstation am Fließband. Am Ende steht ein Produkt, das deutsche BMW-Technik und britisches Design aufs Eleganteste verbindet – zum Stückpreis von rund 400 000 Euro.

Ganz anders geht es bei Mini, ebenfalls eine BMW-Tochter, in Oxford zu. 600 Minis für durchschnittlich 20 000 Euro rollen am Tag von den Bändern, 80 Sekunden dauert eine Station. Im Rohbauwerk zucken 256 Roboterköpfe wie Raubvögel hin und her, schweißen an 3 800 Punkten die Karosse zusammen. Eng und laut ist es hier, die Funken sprühen und metallischer Brandgeruch hängt in der Luft. Im Gang stauen sich die fertigen Karossen, das Montagewerk kommt kaum nach. Für 100 000 Minis im Jahr war das Werk geplant, fast doppelt so viele waren es zuletzt. Darum steckt BMW auch weitere 100 Mill. Euro in den Ausbau der Produktion.

Von Rolls-Royce bis Mini – die Autoindustrie in Großbritannien bedient mit Erfolg ein breites Spektrum. Das Ableben von MG Rover empfindet hier niemand als Krisensignal. Im Gegenteil: Die britische Produktion war 2004 mit 1,65 Millionen Fahrzeugen (siehe Tabelle) um die Hälfte höher als vor zwei Jahrzehnten und die Exporte mit rund 30 Mrd. Euro so hoch wie nie. „Wir haben keinen nationalen Champion“, sagt Francis Evans von der Auto-Abteilung des Wirtschaftsministeriums, „das heißt, dass alle Hersteller gleich behandelt werden.“

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