ACS-Offerte
Hochtief-Tochter Leighton fordert Barangebot

Der Übernahmekampf um den größten deutschen Baukonzern Hochtief entscheidet sich womöglich in Australien - durch die dortige Hochtief-Tochter Leighton. Sollte der Großaktionär ACS gezwungen werden, für das australische Unternehmen ein Angebot abzugeben, könnte der Übernahmeversuch scheitern.
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DÜSSELDORF. Der Druck auf die Börsenaufsicht in Australien wächst, sich in die Auseinandersetzung einzuschalten. Und sollte die Behörde Hochtief-Großaktionär ACS zu einer Offerte für die australische Hochtief-Tochter Leighton zwingen, droht der Angriff der Spanier zu scheitern. Auf Unterstützung der deutschen Politik kann Hochtief im Abwehrkampf dagegen weiterhin nicht bauen.

Nach der Essener Konzernmutter Hochtief Anfang Oktober forderte gestern die Tochter Leighton die Börsenaufsicht in Sydney auf, die Interessen ihrer Minderheitsaktionäre zu schützen, sollte Hochtief von ACS übernommen werden. Die Spanier halten bereits knapp 30 Prozent der Hochtief-Anteile und streben nun über einen Aktientausch die Mehrheit an.

Konkret fordert Leighton von ACS ein vollfinanziertes Barangebot inklusive Aufschlag für seine Minderheitsaktionäre, sollten die Spanier die Kontrolle über Hochtief erlangen. Alternativ zu einer Barofferte verlangt Leighton, dass ACS die Unabhängigkeit des australischen Unternehmens garantiert.

Die Perle des Konzerns

Hochtief hält knapp 55 Prozent an Leighton. Die Essener waren 1983 bei der Gesellschaft eingestiegen, mittlerweile ist sie die Perle im Konzern. Dies zeigt sich auch am Börsenwert von Leighton, der mit knapp acht Mrd. Euro fast doppelt so hoch ist wie der von Hochtief. Selbst ACS lässt durchblicken, dass eine Barofferte für die freien Aktionäre von Leighton die Finanzkraft des Konzerns arg strapazieren und ACS möglicherweise zum Rückzug zwingen könnte. Denn ein Übernahmeangebot für Leighton inklusive Prämie würde mehr als vier Mrd. Euro kosten, schätzen Analysten. Schon heute drücken ACS Nettofinanzschulden von 10,4 Mrd. Euro.

Noch rätselt die Börse über den Ausgang des Übernahmekampfes. Die Aktien aller drei Unternehmen gaben gestern nach. Das größte Minus verbuchte Verteidiger Hochtief - der Kurs rutschte 1,2 Prozent ab.

Auf Schützenhilfe der Politik können der Konzern und die 11 000 Beschäftigten in Deutschland kaum hoffen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kann bislang kein rechtswidriges Verhalten von ACS erkennen, wie ein Regierungssprecher sagte. Indirekt machte er damit deutlich, dass die Bundesregierung kaum Möglichkeiten zum Eingreifen sieht. Auch Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) lehnt schärfere Übernahmeregeln zum Schutz deutscher Konzerne ab. Die gesetzlichen Regeln seien ausreichend, sagte er.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Redakteur

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