ACS-Übernahmeangebot: Hochtief sucht nach Abwehrstrategie

ACS-Übernahmeangebot
Hochtief sucht nach Abwehrstrategie

Der größte deutsche Baukonzern Hochtief feilt an einer Abwehrstrategie gegen das Übernahmeangebot des spanischen Großaktionärs ACS. Doch die Chancen, unabhängig zu bleiben, sind gering - auch wenn es theoretisch einige Möglichkeiten gäbe.
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DÜSSELDORF. Der Essener Baukonzern Hochtief steht nach dem feindlichen Übernahmeangebot des spanischen Großaktionärs ACS vor einer langwierigen Abwehrschlacht. "Das wird die Szene monatelang beschäftigen", sagte ein mit der Angelegenheit Vertrauter. Allerdings erhalte Hochtief Rückendeckung von vielen seiner Investoren. Aus deren Sicht sei nicht akzeptabel, den Konzern ohne Prämie zu übernehmen.

Genau das aber hat ACS vor. Der Bau- und Energiekonzern hat sich binnen drei Jahren 29,98 Prozent der Hochtief-Anteile zusammengekauft. Ende vergangener Woche kündigte ACS an, "knapp über 50 Prozent" an Hochtief übernehmen zu wollen. Der gebotene Kaufpreis aber liegt deutlich unter dem Börsenkurs. Das Kalkül der Spanier: Im ersten Schritt wollen sie die 30-Prozent-Marke schaffen, um dann - von einem Pflichtangebot befreit - munter zuzukaufen, wenn der Aktienkurs gerade niedrig ist.

Eine Strategie, der die Deutschen nur wenig entgegensetzen können. Die Chancen, die Übernahme zu verhindern, scheinen gering, wie die Analyse von Bilanz, Geschäftsbericht und Eigentümerstruktur des Konzerns zeigt - auch wenn es theoretisch einige Möglichkeiten gäbe.

Weißer Ritter

Vorstandschef Herbert Lütkestratkötter dürfte versuchen, einen rettenden Großaktionär aufzutreiben, der ein Aktienpaket aufkauft. Dabei wäre es gut, wenn dieser sogenannte weiße Ritter ein ebenso großes Paket wie ACS kaufen würde. Doch auch mit einem Anteil von unter 30 Prozent könnte ein Investor ACS das Leben schwermachen - mittels einer Sperrminorität und diverser Minderheitsrechte, die bereits ab einem Anteil von fünf Prozent greifen. Ob Lütkestratkötter so einen Investor sucht, will er nicht verraten. "Wir prüfen alle Optionen", sagt er.

"Als weißer Ritter käme am ehesten ein Einzelinvestor infrage", merkt Alexander Malkwitz, Bauexperte und Partner der Unternehmensberatung A.T. Kearney, an. So habe vor dem ersten ACS-Einstieg der Finanzinvestor August von Finck über seine Custodia Holding ein Paket gehalten.

Neue Aktien

Gemäß einem Vorratsbeschluss könnte das Hochtief-Management bis zu zehn Prozent neue Aktien herausgeben und unter Ausschluss der Altaktionäre einem neuen Investor andienen. Aber auch damit bliebe der Einfluss von ACS hoch. Die geplante Übernahme wäre aufgeschoben, aber nicht aufgehoben.

Giftpillen I

Alternativ - oder auch zusätzlich - könnte Hochtief zehn Prozent seiner Aktien zurückkaufen. Auch hierfür gibt es seit der Hauptversammlung im Frühjahr einen Vorratsbeschluss. Bei einem Marktwert von vier Mrd. Euro könnte Hochtief demnach 400 Mio. Euro ausgeben und so seine Kapitalstruktur verschlechtern. Obendrein könnte Hochtief eine Sonderdividende bezahlen. Großer Haken: Hochtief sitzt auf drei Mrd. Euro Cash. Nachhaltig verschlechtern wird sich die Bilanz durch diese Aktionen also nicht.

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