Adidas
Ausrüstervertrag für US-Football-Liga geht an Nike

Die Adidas-Gruppe verliert den exklusiven Ausrüstervertrag der National Football League (NFL) an Erzrivalen Nike. Für Adidas ist das aber angeblich kein Problem. Statt teurem Profisport soll es nun für die US-Tochter Reebok heißen: rein ins Fitnessgeschäft.
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NEW YORK. Die Adidas-Gruppe verliert den exklusiven Ausrüstervertrag der National Football League (NFL) an ihren Erzrivalen Nike. Die umsatzstärkste Sportliga der Welt teilte mit, dass Nike ab der Saison 2012 den bisherigen Ausrüster Reebok ablösen werde. Die amerikanische Adidas-Tochter hatte unter ihren früheren Eigentümern für einen Zehn-Jahres-Vertrag 200 Mio. Dollar gezahlt - viel zu teuer, wie Adidas befand. "Reebok war leider nie eine Footballmarke. Sie haben die NFL zwar ausgerüstet, es aber versäumt, ihr Logo und die Marke zu transportieren. Das war ja das Problem, weshalb Reebok so abgestürzt ist", sagte Adidas-Konzernchef Herbert Hainer kürzlich in einem Handelsblatt-Interview. "Deals, die nicht vernünftig sind, machen wir nicht", betonte Hainer. "Wenn wir die NFL weiter haben, ist es fein. Wenn nicht, geht das Leben für uns auch weiter."

Reebok soll jetzt lieber dort reüssieren, wo die Marke einst ihren weltweiten Durchbruch feierte - in den Bereichen Fitness und Training, abseits des teuren Profisports. So wie damals bei den Kinohits Flashdance, Fame und Dirty Dancing: Wer im Aerobic-Boom der 80er-Jahre mitgetanzt hat, kam an Reebok nicht vorbei. Als Fitnessschuhe des legendären Freestyle-Modells den Weg über Stars und Sternchen in die Alltags- und Massenmode fanden, war der Sportkonzern aus Canton, Massachusetts, eine Zeit lang deutlich größer als Adidas. Dann folgte der Absturz aus dem Fitness-Olymp, wie er in der Modebranche so gefürchtet ist. Auf dem Weg vom Liebling der Frauen zum Weltkonzern verzettelte sich Reebok-Firmeneigner Paul Fireman derart, dass ihm 2005 nur noch der Verkauf blieb. Fünf Jahre später feiert Reebok ein sportliches Comeback, allerdings unter dem Dach des inzwischen fünf Mal größeren Adidas-Konzerns aus dem beschaulichen Herzogenaurach. Unternehmensangaben zufolge wird Reebok - zuletzt schon als hoffnungsloser Sanierungsfall gehandelt - 2010 im Heimatmarkt USA um mehr als 30 Prozent wachsen, trotz Konsumflaute in den Vereinigten Staaten und trotz der Dominanz des Weltmarktführers Nike.

Siegessicher, fast euphorisch sitzt Vorstandschef Herbert Hainer in seinem New Yorker Showroom, 609 Fifth Avenue, und zeigt die neue Reebok-Kollektion, die mit ihrem kunterbunt-grellen Anstrich an die Neonfarben der 80er-Jahre erinnert: "Reebok fängt gerade erst an zu blühen", sagt Hainer. Mit hohem Werbeaufwand soll die Marke nun stärker im Fitness- und Trainingsbereich auffallen - und weniger in Profiligen wie der NFL. Der Strategiewechsel soll auch ausschließen, dass die stärker auf Performance getrimmte Hauptmarke Adidas nicht eines Tages von Reebok kannibalisiert wird. Hainer kann sich die Um- und Aufbauarbeit leisten: Die Adidas-Gruppe wächst nach einer erfolgreichen Fußball-WM derzeit schneller als der größere Rivale Nike, hat ihre Schulden innerhalb eines Jahres um 1,6 Mrd. Euro mehr als halbiert und sitzt inzwischen auf einer Eigenkapitalquote von 44,5 Prozent. Hainer: "Ich hätte vor 24 Monaten nie zu träumen gewagt, dass wir so schnell so weit vorankommen."??

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland

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