Adidas
Die chinesische Trutzburg

Mit 3 170 Quadratmetern Ladenfläche hat die Traditionsmarke Adidas am Wochenende in Peking ihre bisher größte Filiale eröffnet. Das globale Flaggschiff des Sportartikelherstellers wurde überraschend schweigsam eingeweiht. Warum Adidas in China besonders leise Töne anschlägt – und dennoch zu einem Magneten für die Massen werden könnte.

PEKING. Das sind so Tage, an denen man in Peking alles tun möchte – nur nicht Sport im Freien treiben. Eine Smogglocke hängt über der Stadt, es regnet, das Hemd klebt am Leib, das Atmen fällt schwer. Dem Wachmann vor dem neuen Adidas-Laden im Pekinger Sanlitun-Viertel läuft der Schweiß langsam von der Uniformmütze herab in den Nacken.

Drinnen bummelt Fan Lei durch die gut gekühlten Etagen des modernen Gebäudes. Die junge Lehrerin ist über eine Stunde im Bus gefahren, um am Eröffnungstag des weltweit größten Adidas-Geschäfts dabei zu sein. „Ich finde Adidas einfach moderner als Nike und nicht so amerikanisch“, begründet sie ihre Vorliebe für die Drei-Streifen-Marke. Die 28-Jährige, die an einer Mittelschule unterrichtet und selbst Badminton spielt, hat bereits eine Uhr für 850 Yuan (rund 90 Euro) gekauft – bei einem Gehalt von 3 000 Yuan im Monat ein echtes Markenbekenntnis.

Xiao Chen hat seine Markentreue noch nicht mit barer Münze bewiesen. Doch für den 30-Jährigen steht fest: „Adidas ist mein Favorit.“ Der bekennende Fußballfan ist zur Feier des Tages sogar im Chelsea-Trikot erschienen: Der Londoner Fußballclub ist beim Konzern aus Herzogenaurach unter Vertrag. Xiao ist vom mehrstöckigen Adidas-Kaufhaus mit den vielen Computeranimationen, der coolen Saftbar und dem Basketballfeld auf dem Dach schwer beeindruckt. Er habe aber mehr „Party und Eröffnungsangebote“ erwartet.

Tatsächlich hat die Traditionsmarke Adidas ihr globales Flaggschiff am Wochenende erstaunlich leise eingeweiht. Dabei übertrumpft der neue Hauptstadtstandort mit 3 170 Quadratmeter Fläche deutlich den bisher größten Adidas-Laden an den Pariser Champs-Élysées. Doch Konzernchef Herbert Hainer ist nicht gekommen, kein chinesischer Offizieller hält zur Ladeneröffnung des Olympiasponsors eine Rede, keiner der Adidas-Sportstars ist zugegen. In der PR-fröhlichen Sportartikelbranche ein ungewöhnlich zurückhaltender Auftritt, meint ein Pekinger Werbemann. Zumal der Laden schon vor Monaten öffnen sollte – mit großem Bahnhof und mit Hainer.

Doch für die bereits geladenen deutschen Journalisten gab es kurz nach der Tibet-Krise keine Visa. Und dann traten beim Adidas-Megastore, der Teil eines neuen Einkaufszentrums in der Pekinger Diplomatengegend ist, erhebliche Bauverzögerungen auf. Die Eröffnung musste verschoben werden.

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