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22.11.2005 
Sportkonzern greift Weltmarktführer Nike an

Adidas erhöht Tempo auf dem US-Markt

von Joachim Hofer und Markus Fasse

Der Sportkonzern Adidas geht in Amerika in die Offensive. Marketing-Vorstand und US-Chef Erich Stamminger verspricht für die kommenden Jahre jeweils ein zweistelliges Umsatzwachstum auf dem Heimatmarkt des Erzrivalen Nike.

MÜNCHEN. „Wenn wir weiter so gut mit den Einzelhändlern zusammenarbeiten wie in den vergangenen Monaten, ist das rasante Wachstum sicher möglich“, sagte Stamminger gestern dem Handelsblatt.

Der Manager kündigte gleichzeitig an, das Tagesgeschäft auf dem wichtigen US-Markt an Rob Langstaff abzugeben. Langstaff führte bislang das Adidas-Geschäft in Japan. „Das US-Geschäft läuft stabil und wir sind so breit aufgestellt wie nie zuvor“, begründete Stamminger den Stabwechsel.

Stamminger selbst war von Konzernchef Herbert Hainer vor genau zwei Jahren in die US-Zentrale nach Portland geschickt worden. Damals lief das US-Geschäft dramatisch schlecht, der Absatz brach um 16 Prozent ein. Im Preiskampf mit dem Branchenführer Nike zogen die Deutschen immer öfter den Kürzeren.

Der Hainer-Vertraute zog eine Radikalkur durch: Der Vertrieb wurde auf Sportfachgeschäfte konzentriert, um nicht weiter auf den Wühltischen der großen Kaufhäuser Margen und Image verramschen zu müssen. Eine millionenschwere Werbekampagne mit der Box-Legende Mohammed Ali brachte schließlich die Wende. Nach Berechnungen des Markforschungsinstitutes Sport Scan hat Adidas in den vergangenen zwölf Monaten seinen Anteil im US-Sportschuhmarkt von 9 auf 12 Prozent gesteigert.

Dabei soll es jedoch nicht bleiben. In den kommenden Jahren soll der Marktanteil auf 20 Prozent klettern. Stamminger: „Wir haben das Potenzial, das schnell zu erreichen.“ Die guten Nachrichten aus dem US-Markt kommen für Adidas zur rechten Zeit. Der US-Markt ist für Adidas von entscheidender Bedeutung, denn auf dem größten Sportartikelmarkt der Welt entscheidet sich, wer in den kommenden Jahren die Nase vorn hat. Adidas hatte erst im August den US-Wettbewerber Reebok für 3,1 Mrd. Dollar übernommen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Übernahme von Reebok beflügelt Adidas

Mit dem weltweit drittgrößten Sportkonzern will das Unternehmen nun die kritische Masse erreichen, um den großen Ketten wie Footlocker oder Walmart eine stärkere Anbietermacht entgegenzusetzen. Um den Kauf zu finanzieren, will Adidas in den kommenden Monaten eine Kapitalerhöhung über 640 Millionen Euro platzieren, der Rest soll überwiegend über Schulden gestemmt werden.

Auf dem US-Markt laufen die Geschäfte für die großen Sportartikelhersteller derzeit gut. Adidas hat im dritten Quartal einen Umsatzzuwachs von 17 Prozent gemeldet, Puma konnte um 63 Prozent zulegen.

Das gute US-Geschäft und die Übernahme von Reebok beflügeln derzeit Adidas. Die Analysten von Goldman Sachs gehen davon aus, dass der Gewinn des fränkischen Sportkonzerns so künftig um bis zu 50 Prozent steigen könnte, falls das Unternehmen die Synergieeffekte geschickt nutze. Derzeit gebe es aber noch keine Zusammenarbeit mit Reebok, unterstrich Stamminger. Erst wenn die EU-Kartellbehörden sowie die Aktionäre von Reebok dem Deal zugestimmt hätten, könne die Integration beginnen.

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