Industrie

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Adidas im Shitstorm : Der rassistische Turnschuh

Vom Style-Objekt zum „Sklaven-Schuh“: Adidas hat in den USA einen Skandal ausgelöst – wegen eines neuen Modells, das an die Unterdrückung der Schwarzen erinnert. Der Konzern entschuldigte sich und zog eilig Konsequenzen.

Eines der wenigen Fotos, das im Netz noch verfügbar ist.
Eines der wenigen Fotos, das im Netz noch verfügbar ist.

WashingtonAußerhalb Amerikas würden sich Menschen wohl vor allem folgende Frage stellen: Warum in aller Welt braucht ein Turnschuh eine Kette, mit der man ihn am Schienbein festbinden muss? Fliegt er sonst weg? Geschichtsbewusste Amerikaner stellen sich dagegen eine viel größere und ernstere Frage: Kann ein Turnschuh rassistisch sein?

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Ja, lautet die Antwort, und sie hat dem Sportartikelhersteller Adidas in den USA ein PR-Debakel sondergleichen eingebrockt. Die Zutaten: ein deutscher Weltkonzern, ein irrlichternder Designer, ein dunkles Kapitel der US-Geschichte und eine hyper-erregbare Internet-Öffentlichkeit.

Unternehmen im Shitstorm

  • Dell

    Einen der ersten Shitstorms löste der amerikanische Blogger und Journalismus-Dozent Jeff Jarvis 2005 aus. Er postete seinen Frust über den Kundenservice und die Produkte des Computerherstellers Dell - andere Nutzer schlossen sich an. Über die „Dell Hell“ (Dell-Hölle) berichteten auch zahlreiche Medien.

  • Nestlé

    Die Umweltschutzorganisation Greenpeace startete 2010 eine Kampagne gegen den Schokoriegel Kitkat. Der Vorwurf: Durch die Nutzung von Palmöl werde der Regenwald und damit der Lebensraum der Oran-Utans zerstört. Das Schock-Video der Umweltschützer verbreitete sich rasant. Hersteller Nestlé ließ den Clip und die vielen Kommentare aus dem Netz löschen. Die Reaktionen darauf waren noch heftiger.

  • O2

    Ein Blogger beschwerte sich 2011 wegen Netzproblemen bei dem Unternehmen - und bekam die Antwort, es handele sich um einen Einzelfall. Daraufhin startete er die Aktion „Wir sind Einzelfall“. Tausende Betroffene meldeten sich. O2 gestand bald ein, dass es nicht nur Einzelfälle gab und versprach, sein Netz auszubauen.

  • ING Diba

    Nach einem Werbespot, in dem Basketballer Dirk Nowitzki eine Scheibe Wurst verspeist, fluteten Vegetarier und Veganer 2011 die Facebook-Seite der Bank. Nach einer Weile teilte das Unternehmen mit, alle Kommentare zu dem Thema zu löschen und die Diskussion damit zu beenden.

  • Henkel

    Der Henkel-Konzern wollte 2011 im Netz das Design für eine limitierte Edition seines Spülmittels Pril bestimmen lassen. Das Unternehmen fand den Favoriten der Nutzer mit einem Grillhähnchen auf dem Etikett wohl unpassend und ließ eine Jury die beiden Designs mit den wenigsten Stimmen aus den Top 10 auswählen. Die Teilnehmer fühlten sich verschaukelt und machten ihrem Ärger im Internet Luft.

  • Schlecker

    2011 geriet ein Brief des mittlerweile insolventen Unternehmens an die Öffentlichkeit, in dem es seinen neuen Slogan „For You. Vor Ort.“ mit dem „niedrigen bis mittleren Bildungsniveau der Zielgruppe“ verteidigte. Auf Facebook, Twitter und im Blog der Firma reagierten die Nutzer empört.

Es geht um das neue Turnschuh-Modell „JS Roundhouse Mid“ – lila Ungetüme mit einem Zusatzaccessoire: orangefarbene Plastik-Fußketten. Entworfen hat den Sneaker der angesagte US-Designer Jeremy Scott, und Adidas wollte das Modell im August auf den US-Markt bringen. „Verschärfe deinen Style“, hatten die Deutschen am Donnerstag vergangener Woche auf der Facebook-Seite geworben, „mit Sneakers so heiß, dass man sie am Knöchel festbinden muss“.

ARD-Markencheck Kleiner Schatten auf der Welt von Adidas

Die ARD widmete sich in einer TV-Doku kritisch der Sportmarke Adidas.

ARD-Markencheck: Nur ein kleiner Schatten auf der heilen Welt von Adidas

Das Problem: Die Ketten ähneln fatal den Fußfesseln, mit denen in den USA früher Sklaven unterjocht wurden. Und so dauerte es nicht lange, bis sich Internet-Nutzer empörten und das Ganze von Tag zu Tag zu einem Shitstorm anwuchs. „Dumme Deutsche! Schaut in eure Vergangenheit“, schrieb eine Nutzerin auf der Facebook-Seite des Konzerns. „Ich werde nie wieder Adidas-Schuhe kaufen“, kündigte ein anderer an. Wieder einer schimpfte: „Ihr habt mein Bild von eurem Konzern komplett umgedreht. Ihr macht Euch Rassismus, Hass, Unterdrückung und das Böse zu eigen“.

  • 28.11.2012, 11:48 UhrTim.Ebner

    Hallo,

    den Fall des rassistischen Turnschuhs habe ich auch in meinem Beitrag zu Auslösern von Shitstorms aufgenommen. In dem Beitrag geht es darum, wie der Verstoß gegen gesellschaftliche Werte zu Shitstorms führen kann. Dieser Fall von Adidas ist besonders interessant, weil er zeigt, dass globale Player sich dringend mit den Werten der Länder auseinandersetzen müssen, in die sie expandieren. Dass ein deutsches Unternehmen die Krux von Fußfesseln bei einer afroamerikanischen Zielgruppe unterschätzt, ist leider ein Negativbeispiel hierfür.

    Mein Artikel ist unter den folgenden Links verfügbar. Über kritische Kommentare, Likes und Shares würde ich mich freuen!
    https://www.facebook.com/ShitstormSchnueffler/posts/300635360036109
    http://bit.ly/shitstorm_ursachen

    Viele Grüße aus Münster

  • 01.08.2012, 21:04 Uhrcarlothebest91

    naja, wenn man das hier sich genauer anschaut kommt das selbe bei raus.. http://www.youjizz.com/videos/i-lost-my-dick-in-doris-2203336.html .. naja muss jeder selber wissen wie er mit dem medium umgeht. lg

  • 21.06.2012, 18:38 UhrAbt

    ich glaube es nicht... gibt es nichts interessanteres zu berichten ?? die amis müssten beim thema rassismus eigentlich verschämt auf den boden blicken... wie spiessig muss man sein, wegen einem designersneaker ne welle zu machen ?
    wieviele menschen sterben, weil die amis mit deutschen waffen in der welt rumbomben ?? da sagt keiner von denen nazideutsche ;)
    abgesehen davon, finde ich den schuh eigentlich echt geil, würde ihn mir zwar nicht kaufen, weil ich diese fussfessel eher als lästig empfinden würde, aber so als gag hat er auf jeden fall was an sich... ich wäre nie auf den gedanken der parallele zur sklavenhaltung gekommen... sowas können nur dumme amis...

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