Adidas und Reebok
Beine machen

Erstmals seit dem Kauf des amerikanischen Konkurrenten Reebok hat Adidas mehr als zehn Milliarden Euro Umsatz gemacht - und ist damit dem Branchenprimus Nike dicht auf den Fersen. Doch Reebok hat den Deutschen viel Kummer gemacht. Wie Adidas aus der milliardenteuren Übernahme trotz allem Kapital schlagen will.
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DÜSSELDORF. Herbert Hainer ist an diesem Spätnachmittag Mitte April noch nicht mal 120 Minuten im Lande, da lernt er schon die unangenehmen Seiten der russischen Hauptstadt kennen. Nichts geht mehr auf der Leningrader Chaussee, die vom Flughafen Sheremetyevo mitten hinein führt ins Herz von Moskau. Die Verkehrsader ist verstopft, schwere Geländewagen mit abgedunkelten Scheiben, verrostete Ladas und Wolgas und Lkws mit riesigen, auf die Rückseite gepinselten Kennzeichen stinken hinten, vorne, rechts und links vor sich hin. Keiner rührt sich vom Fleck.

Hainer, Vorstandschef des Dax-Konzerns Adidas, hat es eilig, er will ins Hotel, noch einmal die Präsentation durchgehen, die er am nächsten Tag halten will, seiner ersten in Russland, seit er 2001 zum Vorstandschef des hinter Nike zweitgrößten Sportkonzerns der Welt berufen wurde. In den kommenden zwei Jahren soll der Umsatz der Adidas-Gruppe in Russland auf mehr als eine Milliarde Dollar steigen. 750 eigene Läden will sie Ende 2009 in Russland, der Ukraine und Kasachstan betreiben. Schon überlegen Hainer und der junge Adidas-Russland-Chef Martin Shankland, 35, für die vielen Shops gleich eine eigene Fabrik zu eröffnen, in der die Ladeneinrichtung zusammengezimmert werden kann.

Spätestens 2010 soll Russland der größte Markt für die Adidas-Gruppe in Europa sein, noch vor dem Heimatmarkt Deutschland. Zugleich soll Russland ein Paradebeispiel werden für die neue Strategie von Adidas, in Wachstumsregionen seine Marken Adidas, Reebok und Rockport mit einer einzigen Organisation zu führen.

Große Pläne - doch jetzt geht gar nichts mehr. Hainer hat die Faxen dicke, er und Shankland steigen aus und fahren mit der Metro weiter. Unter der Erde geht es weiter, langsam - aber immerhin, es geht voran.

Untertage in Moskau geht es Hainer nicht viel anders als Adidas auf dem mehr als 100 Milliarden Euro schweren Markt für Sportartikel: Bisher nahezu unsichtbar für den Rest der Welt treibt der ehrgeizige Macher den Umbau des Sportriesen zum Mehrmarken-Konzern voran.

Gute Nachrichten wie die aus Moskau sind allerdings dünn gesät, seit Hainer den bisherigen Rivalen Reebok im August 2005 für drei Milliarden Euro kaufte: Der Neuzugang zeigt deutliche Schwächen, und die zu beheben kostet Adidas weitere Millionen. Reebok ist noch immer zu stark abhängig von zwei Märkten. In den USA und in Großbritannien macht die Marke gut 70 Prozent ihres Umsatzes - auf schrumpfenden oder bestenfalls stagnierenden, dabei hart umkämpften Discountmärkten mit niedrigen Margen. Im Rest der Welt dagegen bietet Reebok ein diffuses Bild - während sie etwa in Indien auf einen Marktanteil von 50 Prozent kommt und in Polen der Umsatz so groß sei wie der von Adidas, habe die Marke in Deutschland wohl gerade die Talsohle erreicht, sagt Hainer: "In Deutschland macht Reebok gerade ein Zehntel des Adidas-Umsatzes."

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