28.02.2006

Verhandlungsergebnis wird schlecht aufgenommen: AEG-Mitarbeiter sind fassungslos

Nach wochenlangem Arbeitskampf haben sich die IG Metall und das Management des Nürnberger AEG-Hausgerätewerks auf einen Sozialtarifvertrag für die rund 1 700 Beschäftigten geeinigt. Die Gewerkschaftsspitze frohlockt. Die Betroffenen selbst sind fassungslos. Sie könnten das Verhandlungsergebnis im letzten Moment noch kippen.

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Die AEG-Werker können nicht fassen, dass ihre Fabrik letztlich doch geschlossen wird. Die IG Metall hatte ihnen Hoffnung gemacht, dass es weitergehen könnte. Foto: dpaLupe

Die AEG-Werker können nicht fassen, dass ihre Fabrik letztlich doch geschlossen wird. Die IG Metall hatte ihnen Hoffnung gemacht, dass es weitergehen könnte. Foto: dpa

HB NÜRNBERG. In den Gesichtern der streikenden AEG-Mitarbeiter steht Ratlosigkeit. Einige hundert AEG-ler haben sich am Dienstag noch einmal vor dem Werkstor in der Muggenhofer Straße und im Streikzelt versammelt, um über die Ergebnisse der Verhandlungen informiert zu werden. Vereinzelt gab es Beifall für das Erreichte, doch die Buhrufe überwogen. Frühestens am Donnerstag soll die Belegschaft in einer Urabstimmung über ein Ende des seit 40 Tagen dauernden Streiks befinden. Ein Ja ist keineswegs sicher.

„Ich muss mir das alles erst noch durch den Kopf gehen lassen“, sagt die 55-jährige Hilde Thierbach. Seit 1989 arbeitet sie im Nürnberger AEG-Werk, zuletzt im Controlling, wie sie erzählt. Die vergangenen Wochen verbrachte sie vor allem damit, in meist klirrender Kälte vor dem Werkstor als Streikposten Wache zu schieben. Ja, der Streik habe sich gelohnt, betont sie. „Wir hätten es doch noch schlimmer treffen können.“ Glücklich sei sie aber nicht. „Das Wichtigste wäre doch gewesen, den Standort zu erhalten“, erzählt sie. „Da sind wir eindeutig gescheitert.“

Auch Lagerarbeiter Mehmet Gramzi bringt nur ein gequältes Lächeln über seine Lippen. „Der Abschluss ist nicht gut“, sagt der 38-Jährige, während er sich an einer Tonne mit Feuer wärmt. „Das meiste Geld aus der Abfindung geht doch für die Steuer drauf“, schimpft er. Viel zu wenig sei bei den Verhandlungen herausgekommen. Eigentlich habe er doch Anspruch auf 2,5 Monatsgehälter pro Beschäftigungsjahr und nicht nur, wie jetzt vereinbart, auf 1,8.

Und tatsächlich sind die AEG-Mitarbeiter trotz der nach mehr als fünf Wochen Streik erzielten Einigung letztlich die großen Verlierer dieses Arbeitskampfes. Für die meisten von ihnen dürfte es schwierig sein, in der Region um Nürnberg einen angemessenen Ersatzjob zu finden. Schon Mitte dieses Jahres wird nach den Plänen des AEG-Mutterkonzerns Electrolux die erste Entlassungswelle anrollen. Bis Ende 2007 wird dann auch der letzte Arbeitsplatz abgebaut und die Produktion von Wasch- und Geschirrspülmaschinen vollends nach Polen und Italien verlagert worden sein.

Und das, obwohl IG Metall und Betriebsrat mit aller Kraft für einen Erhalt des Standortes gekämpft und Electrolux sogar einen Abbau von etwa einem Drittel der Stellen angeboten hatten, um das Werk nicht ganz schließen zu müssen. Auch während der Verhandlungen hatte die IG Metall noch einmal einen Vorstoß unternommen und Electrolux den Verkauf des Werkes vorgeschlagen. Einen Interessenten wollte die Gewerkschaft zwar nicht benennen, unter der Hand war jedoch zu erfahren, dass es tatsächlich einen ernsthaften Anwärter gegeben haben soll. Doch auch auf diesen Vorstoß, das Nürnberger Traditionswerk mit seiner mehr als 80-jährigen Geschichte zu erhalten, reagierte Electrolux mit Ablehnung.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: IG-Metall-Spitze ist zufrieden, Gewerkschaftler vor Ort sind nachdenklich.

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