06.02.2006

Electrolux-Lager wird Nadelöhr: AEG-Streik führt zu Lieferengpässen

Offenbar haben die streikenden Beschäftigten des Nürnberger AEG-Zentrallagers eine verwundbare Stelle des schwedischen Hausgeräte-Konzerns Electrolux getroffen.

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HB NÜRNBERG. Seit die vor Feuertonnen ausharrenden Streikposten - zusätzlich zum Stammwerk - beharrlich das Tor des lang gestreckten Lagerkomplexes im Nürnberger Kanal-Hafen blockieren, warten Zehntausende von Waschmaschinen, Trocknern, Geschirrspülern, Herden und Kochmulden auf ihre Auslieferung.

Boris Mandosi, gewerkschaftlicher Vertrauensmann bei der Electrolux Logistics GmbH, ist sich sicher: „Ob Media Markt, Saturn Hansa, Quelle, Tevi oder der Versand von Quelle, Otto und Neckermann - bei den großen Verbrauchermärkten und Versandhäusern geht in Sachen AEG-Geräte derzeit wenig.“ Rund 60 000 AEG-Geräte stapeln sich nach seinen Angaben derzeit allein in dem Nürnberger Lager. Die An- und Auslieferung per Lkw - der übliche Lieferweg - ist seit Tagen blockiert. „Wir haben hier schon mehrere polnische Lkws weggeschickt“, berichtet der 34 Jahre alte Gabelstapler.

Vor allem die Aufträge großer Verbrauchermarkt-Ketten könnten inzwischen nicht mehr erfüllt werden, berichtete Streikleiter Jürgen Wechsler am Montag. „Electrolux hat Riesenprobleme mit Geschirrspülern“, sagte er. Erste Großkunden hätten vor dem Hintergrund der streikbedingten Lieferengpässe inzwischen ihre Aufträge storniert, erläuterte der Betriebsratschef des Nürnberger AEG-Werks, Harald Dix. Als Beispiel legte er die Kopie einer Auftragsstornierung eines großen deutschen Möbelhauses vor.

Auch ein AEG-Sprecher räumte am Montag Lieferverzögerungen bei den in Nürnberg gefertigten Geschirrspülmaschinen ein. „Die Logistik läuft nicht zu 100 Prozent“, sagte er. Grundsätzlich würden Kunden aber auch weiterhin beliefert. „Auch in Nürnberg geht Ware rein und raus.“ Mit der IG Metall sei vereinbart, dass Ware in bestimmtem Umfang per Bahnwaggon das Nürnberger Zentrallager verlassen dürfe. Dort wie auch im Lager Dormagen bei Köln halte Electrolux den Betrieb mit externen Lieferanten aufrecht.

Der Electrolux-Konzern hat wegen des AEG-Streiks im Stammwerk Nürnberg nach eigener Darstellung bereits 50 Prozent der Produktion von Geschirrspülern in andere Werke verlegt. „Jeder Streiktag führt zu einer noch schnelleren Verlagerung der Nürnberger Produktion“, erklärte der verantwortliche Manager für die europäischen Electrolux-Werke, Horst Winkler, am Montag. Im vergangenen Jahr wurden in der Nürnberger Fabrik etwa 1,4 Mill. Hausgeräte hergestellt, darunter etwa 550 000 Geschirrspülmaschinen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: „In ein paar Tagen geht denen sowieso die Ware aus"

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