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06.08.2008 
Mitarbeiterumfrage

Ärger in der Siemens-Familie

von Michael Detering

Siemens galt immer als beliebter Arbeitgeber. Oft war die Rede von einer Atmosphäre wie in einer Familie. Der geplante Arbeitsplatzabbau hat dieses wohlige Gefühl zunichte gemacht. Das ist zumindest das Ergebnis einer nichtrepräsentativen Umfrage.

DÜSSELDORF. Der Abbau von 17 000 Arbeitsplätzen hat bei vielen Siemens-Mitarbeitern das Vertrauen in den Vorstand zerstört. So lautet das Ergebnis einer Umfrage des Vereins der Belegschaftsaktionäre von Siemens. Zwei Drittel der rund 3 000 Teilnehmer halten den Arbeitsplatzabbau für "absolut vermeidbar, wenn nicht überzogene Renditeziele verfolgt würden". Knapp ein Drittel hält den Abbau für zumindest teilweise vermeidbar, zwei Prozent halten die Stellenstreichung für angemessen. Die Umfrage ist allerdings nicht repräsentativ. Sie wurde auf der Homepage des Vereins öffentlich zugänglich durchgeführt, sodass theoretisch auch Nicht-Mitarbeiter teilnehmen konnten.

Auf die Frage, ob sie dem Konzernvorstand vertrauen würden, kreuzten rund drei Viertel der Teilnehmer an: "Nein, weil für ihn die Mitarbeiter nur noch ein Kostenfaktor sind." Rund 22 Prozent sagen, sie hätten nur noch bedingtes Vertrauen, bei zwei Prozent genießt der Vorstand volles Vertrauen. Mehr als 88 Prozent der Umfrageteilnehmer bezweifeln zudem, dass Siemens nach der Trennung von den Sparten Kommunikation und Autoelektronik noch ein integrierter Elektrokonzern bleibt. "Nie in der 160-jährigen Firmengeschichte war offensichtlich die Identifikation mit dem Unternehmen so gering", sagte der Vorsitzende des Vereins der Belegschaftsaktionäre, Manfred Meiler.

Ein Unternehmenssprecher von Siemens sagte, er könne die Zahlen nicht nachvollziehen. "Ich glaube nicht, dass dies die tatsächliche Stimmung der Belegschaft widerspiegelt. Das deckt sich nicht mit den Erfahrungen, die wir tagtäglich machen - die drücken nämlich das Gegenteil aus."

Der Verein der Belegschaftsaktionäre vertritt nach eigenen Angaben rund 6 000 Mitarbeiter. Bezogen auf die Zahl von knapp 130 000 Siemens-Mitarbeitern in Deutschland stellen die 3 000 Umfrageteilnehmer etwas mehr als zwei Prozent der Belegschaft.

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