Ärger über „Stern“-Bericht
Xella hinterlässt Haniel Geschäftsrisiken

Unmittelbar vor dem bereits ausgehandelten Verkauf der Baustofftochter Xella muss sich der Mutterkonzern Haniel gegen öffentliches Störfeuer zur Wehr setzen. Der Duisburger Konzern weist einen Bericht über mögliche Schadensersatzklagen von bis zu 45 000 Bauherren als völlig übertrieben zurück.

DÜSSELDORF. Zum Ärgernis von Vorstandschef Eckhard Cordes berichtet die Wochenillustrierte "Stern" seit gestern auf ihrer Internetseite, die Baustofffirma habe über acht Jahre hinweg bis 2006 deutsche Bauherren mit schadhaften Kalksandsteinen versorgt. 45 000 Eigenheime seien möglicherweise betroffen. Nun drohe neben Entschädigungszahlungen die Haftung wegen sittenwidriger vorsätzlicher Schädigung.

Entsprechend groß ist die Verstimmung in der Duisburger Haniel-Zentrale. "Die Probleme mit dem Kalksandstein sind seit Jahren bekannt", berichtet eine Sprecherin. Seit 2006 liefen Gespräche mit Bauträgern, zudem habe es in den betroffenen Siedlungen Bürgerversammlungen gegeben. Für den Bericht im "Stern" hat man in Duisburg nur eine Erklärung: Hier werde von interessierter Seite offenbar versucht, den Verkauf von Xella noch in letzter Minute zu stoppen.



Der aber ist nach Informationen des Handelsblatts ohnehin so gut wie in trockenen Tüchern. In der kommenden Woche werde Haniel den Verkauf des 1,9 Mrd. Euro teuren Unternehmens an die Finanzinvestoren PAI Partners und Goldman Sachs verkünden, berichten Insider aus Verhandlungskreisen. Den Verkaufsprozess für die 1,3 Mrd. Euro Umsatz schwere Tochter hatte Haniel im vergangenen Dezember mit der Deutschen Bank gestartet, um sich angeblich verstärkt auf Handel und Dienstleistung zu konzentrieren.



Am Kaufpreis wird der Bericht über mögliche Schadensersatzansprüche gegen Xella kaum noch etwas ändern. "Wir haben über dieses Thema von vornherein offen mit den Verhandlungspartnern gesprochen", beteuert eine Haniel-Sprecherin. Zudem bleibe das Haftungsrisiko auch nach dem Verkauf bei Haniel.

Dem Anschein nach ist es allerdings deutlich geringer, als der "Stern"-Bericht nahe legt. Nach zwei Informationswellen habe man für insgesamt 265 Häuser Sanierungszusagen erteilt, heißt es bei Haniel. Pro Gebäude kalkuliere man im Durchschnitt mit einem Aufwand von 100 000 Euro. Rechnerisch ergeben sich dadurch für den Konzern, der zuletzt mit 29 Mrd. Euro Umsatz ein Vorsteuerergebnis von 922 Mill. Euro erzielte, Rückstellungen von 26,5 Mill. Euro. Beobachter halten es aber für denkbar, dass die breite Berichterstattung nun zu neuen Klagen führen könnte.

Die vom Stern genannte Zahl von 45 000 Häusern hält man bei Haniel für völlig aus der Luft gegriffen. Dort, wo der Bauträger auf Kellerisolierung oder Putz verzichtet habe, könne es zwar zu gefährlichen Rissen im Mauerwerk kommen, räumte Haniel ein. Da die schadhaften Kalksandsteine in drei Werken am Niederrhein produziert worden seien und üblicherweise nur auf kurzen Strecken transportiert würden, seien aber lediglich Schäden am Niederrhein, dem westlichen Ruhrgebiet und dem angrenzenden Münsterland zu erwarten.

Den Baugewerblichen Verbänden Düsseldorf sind diese Querelen seit langem bekannt. "Auch andere Hersteller weisen bei ihren Kalksandsteinen ein breites Mängelbild auf", berichtet deren Technikexperte Rainer Jansen. Ein wesentlicher Grund dafür sei, dass der Kalk häufig nur noch als Abfallprodukt aus der Müllverbrennung gewonnen werde - mit hohen Qualitätseinbußen. Über die aktuelle Berichterstattung wundert sich der Verbandsexperte dennoch. "In den vergangenen zwei bis drei Jahren ist es deutlich ruhiger geworden um die Qualitätsmängel von Kalksandsteinen", berichtet Jansen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%