Affäre in wichtigstem Markt China klaut Volkswagen-Patente

Der Volkswagen-Konzern ist in China offenbar von seinem Joint-Venture-Partner ausspioniert und betrogen worden. FAW soll ganze Konstruktionspläne abgekupfert haben. Doch dem deutschen Autobauer sind die Hände gebunden.
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Mitarbeiter von Volkswagen-Werk in China. Quelle: dpa

Mitarbeiter von Volkswagen-Werk in China.

(Foto: dpa)

DüsseldorfEs war ein symbolträchtiger Tag: VW-Chef Martin Winterkorn und sein chinesischer Kooperationspartner Xu Jianyi gaben sich feierlich das Wort, ihre langjährige Partnerschaft um 25 Jahre zu verlängern. Ministerpräsident Wen Jiabao und Kanzlerin Angela Merkel applaudierten. Das war am 23. April dieses Jahres in Wolfsburg.

Drei Monate später ist das Vertrauen in Xu Jianyi, Vorstandschef der chinesischen Partnerfirma FAW, tiefem Misstrauen gewichen. Nach Informationen des Handelsblatts betreiben die Chinesen illegalen Technologietransfer - und zwar fortgesetzt und mit System. "Das ist schlichtweg eine Katastrophe", sagte ein hochrangiger VW-Manager dieser Zeitung.

Vor wenigen Wochen erfuhren die VW-Mager in China, dass FAW bei Zulieferern des VW-Getriebes MQ 200 Angebote für wichtige Bauteile einholt. Der begründete Verdacht der VW-Manager: Die Chinesen wollen das Getriebe nachbauen, um es in ihrem Modell "Besturn B50" einzusetzen. Der Kleinwagen soll nach Russland exportiert werden - und macht dort den Marken VW und Skoda Konkurrenz.

Bislang beobachteten europäische Autobauer lediglich, wie chinesische Partner die Designs der Wagen nachahmten. Dass in einem Joint Venture Konstruktionspläne abgekupfert werden, ist für VW eine neue Dimension.

Der Fall wiegt umso schwerer, als die Wolfsburger schon Ende 2010 erfahren hatten, dass die Chinesen Konstruktionspläne von Volkswagen nutzen, um auch den Motor EA 111 illegal zu kopieren. Dieser Motortyp treibt den VW Polo und den Golf an. Die FAW-Ingenieure änderten lediglich das sogenannte Stichmaß, den Abstand der Zylinder, um einige Millimeter.

Volkswagens Spezialisten zufolge sind mindestens vier in China gültige Patente verletzt worden. VW-Chef Winterkorn konfrontierte Xu Jianyi im Dezember 2010 mit dem Vorfall. Der FAW-Chef versprach, der Sache nachzugehen.

Im Frühjahr 2011 erklärte FAW dann, bei der Kopie des Motors handele es sich um den individuellen Fehler eines Entwicklungsingenieurs, der etwas missverstanden habe und dafür "hart kritisiert" worden sein.

Inzwischen hat FAW laut verschiedener Maschinenbaufirmen, die mit VW zusammenarbeiten, in Changchun eine Fabrik für den kopierten Motor errichtet. Die Produktion läuft gerade an. Die neueste Entdeckung, dass nun auch das Getriebe kopiert wird, fügt sich in das Bild eines chinesischen Partners, der Rivale geworden ist.

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86 Kommentare zu "Affäre in wichtigstem Markt: China klaut Volkswagen-Patente"

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  • Ich kann Hr. Schnitzer nur zustimmen, das ist dsa Abenteuer China. Allerdings weiss man auch, dass in China immer mit Druck verhandelt werden muss. Also "Eier" zeigen. Wenn FAW nicht einlenkt, dann geht halt der naechste Passat an SVW und nicht FAW-VW. Warum nicht?

  • sags mal den lieben Managern...die sind ja erfolgreich wenn ein kurzfristiges Delta an Gewinn/Umsatz kommt, dann gibts Prämie und wenn es nach ein paar Jahren richtig Probleme gibt, sind sie ja schon lange weg und haben ihre Optionen ins Trockenen gebracht. nach mir die sindtflut.

  • Noch einige markentechnische Anmerkungen: Warum müssen wir denn unbedingt auf den chinesischen Markt? Wenn die uns nur reinlassen, wenn wir dort produzieren (sie unser Wissen klauen können), dann lassen wir China halt links liegen. Das kostet uns ein paar Milliarden Umsatz, aber unser Know How ist geschützt, unsere Unternehmen bleiben gesund und wir verdienen eben in Ländern, die Regeln respektieren, unser Geld.

    Und wetten, dass die Chinesen bald um unsere Autos betteln? Denn diese Autos wollen sie haben, weil deutsche Autos maximalen Status repräsentieren. Und darauf ist auch
    der Chinese geil!

  • In meiner Heimat, dem Schwarzwald, hat man früher in Brennholzstapeln einige Scheite mittels Loch mit Schwarzpulver präpariert. Dieben, die das Holz im Wald geklaut haben, ist dann der Kachelofen um die Ohren geflogen.

    Die deutschen Autobauer sollten in ihre den Peking-Enten zugänglichen Pläne einfach ein paar Sollbruchstellen einbauen, damit die raubkopierten Karossen dann nach ein paar Kilometern in der Mitte durchknicken. Mann, wär das ein Spaß!

  • [+++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++]

  • für einen realistisch denkenden Techniker mußte diese Entwicklung vorhersehbar gewesen sein. Nur geldgierig geschaltete, kurzdenkende Manager rollen mit aktueller Technik in einem dermaßen unsicheren Land an, um kurzfristig Erfolg zu haben. Hoffentlich sind inovativere Ideen noch in der sicheren Schublade. Denn wer kauft zukünftig bei gleicher Technik noch teuere deutsche Produkte, wenn er auch chinesische Kopien haben kann. Man hätte von den Zeiten der japanischen Abkupferer lernen müssen.

  • Dann sollte VW mal nicht Vergessen wie es mit GM war.
    Da sich 20 Kartons mit Unterlagen und einige vertrauliche Daten über Einkaufspreise von Komponenten und Herstellungskosten aller europäischen Fabrikationsstandorte des damals völlig neu entwickelten Opel Corsa B und anderer GM-Modelle in Wohnungen und auf Rechnern fanden, die engen López-Mitarbeitern zugeordnet wurden und von López wenige Tage vor seinem Ausscheiden bei GM angefordert worden waren, erstattete Opel bzw. General Motors Strafanzeige gegen die neuen VW-Mitarbeiter.
    Der satte Betrag von einer Milliarde Dollar belegt zudem überzeugender als alle Beteuerungen, daß Volkswagen - und nicht nur López - Dreck am Stecken hat.


    Joe

  • das ist doch dem dümmsten hier in -D- bekannt, dass die Asiaten, eingeschlossen Japaner, Koreaner, Vietnamesen alles kopieren was sie in die Finger bekommen. Wie naiv sind denn die hochbezahlten Manager in WOB, um das nicht zu erkennen oder zu wissen. Papier ist geduldig und in China ist das, was auf dem Papier steht nix wert.
    meine güte, soviel Dummheit tut schon weh!

  • @Prodigy
    Nimm ne Knarre mit.

  • Tja so läufts eben. Dabei sind mir die Chinesen immer noch zehnmal lieber als die Amerikaner, die ihr Militär weltweit verteilt aufgestellt ahben und auf der Jagd nach Ressourcen ständig neue Kriege anzetteln.

    Und die Amis spionieren natürlich überhaupt nicht, s. z.B. das sog SWIFT-Abkommen.

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