Daimler

Das Daimler-Logo auf dem Gebäude des Werks Untertürkheim. Dort befindet sich auch die Konzernzentrale.

(Foto: dpa)

Affäre um Tierversuche Auch Daimler und BMW ziehen Konsequenzen

Nach Volkswagen ziehen auch Daimler und BMW personelle Konsequenzen aus den Abgastests an Affen. Daimler beurlaubt seinen Konzernleiter für Umweltschutz, BMW befreit einen Manager von seinen Aufgaben.
Update: 31.01.2018 - 16:48 Uhr 8 Kommentare

StuttgartDie nächsten führenden Manager der Autobranche müssen wegen ihrer Verantwortung für Tierversuche zu PR-Zwecken abtreten. Daimler teilte am Mittwoch mit, den involvierten Manager zu beurlauben. Sein Name: Udo Hartmann. Sein bisheriger Titel: Leiter Konzern Umweltschutz der Daimler AG. „Wir werden den Sachverhalt lückenlos aufklären und sicherstellen, dass sich derartige Vorgänge nicht wiederholen“, betonte der Konzern. Bereits am Dienstag hatte Volkswagen seinen Cheflobbyisten Thomas Steg freigestellt, weil er seit Jahren von den Versuchen wusste, bei denen Affen stundenlang Abgase von Dieselmotoren einatmen mussten.

Auch bei BMW war der EUGT-Vertreter wegen des starken öffentlichen Drucks nicht mehr zu halten. Frank Hansen, Leiter des Zentrums für „Urbane Mobilität“, ist für die Zeit der internen Ermittlungen ebenfalls beurlaubt worden, wie der Autobauer am Nachmittag mitteilte.

Hansen „bleibt Mitarbeiter der BMW Group“, werde nur vorerst auf eigenen Wunsch von seinen aktuellen Aufgaben befreit, teilte BMW am Mittwoch in München mit. Er habe glaubhaft versichert, dass er EUGT-Tierversuche kritisch hinterfragt habe. BMW habe an den Studien nicht mitgewirkt. In der laufenden Untersuchung gelte für den Mitarbeiter die Unschuldsvermutung. „Gleichzeitig steht die BMW Group zu ihrer Fürsorgepflicht gegenüber ihren Mitarbeitern“, sagte ein Sprecher.

Daimler-Manager Hartmann saß im Vorstand der Europäischen Forschungseinrichtung für Umwelt und Gesundheit im Transportwesen (EUGT). Über diese Lobbyeinrichtung hatten die Autobauer die höchst umstrittene Studie finanziert, bei denen die Affen die schädliche Abgase von Dieselmotoren einatmen mussten. Wissenschaftlichen Sinn hatten die Versuche nicht, wie die finanzierenden Konzerne BMW, Daimler und Volkswagen inzwischen zugaben. Ziel war einzig, positive Argumente für den Dieselmotor zu gewinnen.

Als dies misslang, waren die Konzerne verärgert. Die Tests selbst wurden in den USA durchgeführt, am Lovelace Respiratory Research Institute (LRRI) in Albuquerque. Die Forscher sperrten zehn Affen in einen Glaskasten und maßen nach, welche Abgase ihnen mehr schadeten – die eines alten Ford-Pick-ups oder die eines neuen VW Beetle.

Über das Ergebnis gab es Streit. Die Forscher vom LRRI hielten fest, dass der neue VW Beetle die Lungen der Affen mehr schädigte als der alte Ford. Der Chefwissenschaftlicher des EUGT rügte, dass die Amerikaner Fehler in ihrem Versuchsablauf gemacht hätten. Die Studie des LRRI wurde nie veröffentlicht, die Deutschen weigerten sich, die letzte Rate der Rechnung zu bezahlen.

Daimler hat nach eigenen Angaben eine Untersuchung eingeleitet und lässt sich dabei von einer externen Kanzlei unterstützen. Man sei erschüttert über Art und Durchführung der Studien, hieß es. Auch VW-Chef Matthias Müller äußerte sich heute noch einmal zu der Affäre: „Mir ist im Moment auch ehrlich gesagt nicht klar, warum diese Einheit bei der Organisation von Herrn Steg angedockt war und eben nicht bei der Forschung. Das werden wir recherchieren“, sagte er dem Sender n-tv. Der Konzernchef nannte es „ein kleines bisschen willkürlich“, einen Bezug der Experimente zum Diesel herzustellen – „wenngleich natürlich der Diesel Gegenstand des Auftrages war“.

Müller will trotz allem weiter versuchen, den Dieselmotor zu rehabilitieren. „Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass unsere Kunden an der Stelle ein weiteres Mal verunsichert sind“, sagte er. „Nichtsdestotrotz werden wir weiter in die Diesel-Technologie auf absehbare Zeit investieren.“ Über die Schadstofftests an den Affen äußerte er sich „erschüttert“ und entschuldigte sich erneut. Er könne nur Sorge dafür tragen, Prozesse im Unternehmen so zu reformieren, dass „solche Zustände eben in Zukunft nicht mehr eintreten“, erklärte Müller.

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8 Kommentare zu "Affäre um Tierversuche: Auch Daimler und BMW ziehen Konsequenzen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich kann diesen ganzen Hype um evtl. Fahrverbote nicht verstehen. Wie will das BVG denn irgendwelche Fahrverbote anordnen? Wie wollen die Städte diese anordnen? Wie sollen die denn kontrolliert werden? Mit einer Plakette? Dass ich nicht lache. Ich habe seit 2009 für meinen Euiro 3 Diesel eine grüne Plakette und bin noch nie kontrolliert worden. Ich werde auch weiterhin in Umweltzonen hinein fahren, völlig unabhängig davon, ob das BVG irgendetwas "anordnet" oder nicht. Und das kann ich allen anderen Diesel Fahrern mur ebenfalls empfehlen. Mein nächstes Auto wird auch wieder ein Diesel. Und welche Schadsoffklasse der dann hat ist mir völlig wumpe.

  • uuweb

  • test

  • Herr Narrog: Aussage Automobilindustrie: "Wissenschaftlichen Sinn hatten die Studien nicht".

    Das hat doch nichts mit Rationalität zu tun, wenn man mit Tierversuchen versucht positive Werbung zu machen. Da braucht man keine Angela Merkel dafür um zu wissen, dass das ethisch und moralisch gar nicht geht.

    Ach so, ich freu mich auch, wenn wir wieder von Fachmännern regiert und verwaltet werden. Für den Hungerlohn, den ein Mitarbeiter in der öffentlichen Verwaltung verdient arbeitet aber kein Fachmann. Und in die Politik geht auch keiner, nur um sich seinen Ruf zu ruinieren (Hartz, Müller).

    "Diejenigen, die zu klug sind, um sich in der Politik zu engagieren, müssen sich nicht wundern, daß sie von Leuten regiert werden, die dümmer sind als sie." Kommt glaube ich von Platon...

  • Volle Zustimmung zum Kommentar von Herr Narrog. Die Berichterstattung und Meinungs-
    mache einiger Medien ist unausstehlich.


  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Lieber Tests mit 10 Affen als mit 7 Milliarden Menschen....


  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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