Agarmarkt
Wettbewerb verhindert starke Preisrunden bei Milch

Die Erhöhung der Milchpreise steht in der Kritik, scheint jedoch beschlossene Sache. Doch nicht nur die Milchindustrie machts, auch andere, von Agarprodukten abhängige Branchen müssen wohl bald mehr Geld für ihre Waren verlangen. Der Verbraucher findet sich dabei in einer neuen Situation wieder.

DÜSSELDORF. Wenn die Milchindustrie ihre Preise drastisch erhöht, werden viele Konsumenten wohl auch nach Alternativprodukten suchen. Doch es gibt noch keine Erfahrungswerte, welche Wanderungsbewegungen die Preisanpassung bei Milchprodukten letztendlich im Nahrungsmittelmarkt auslösen wird. Und auch ist unklar, in welchem Ausmaß höhere Preise überhaupt durchsetzbar sind. Der Wettbewerb bei Lebensmitteln ist intensiv, die Verbraucher schauen beim Liter Milch auf den Cent – das setzt den Wünschen der Hersteller nach besseren Erlösen Grenzen. „Der Verbraucher ist unser Versuchskaninchen“, gibt denn auch Eckhard Heuser, Geschäftsführer des Milchindustrie-Verbandes (MIV), zu.

Doch wenn Verbraucher künftig nach günstigerer Margarine statt teurer Butter greifen möchten, könnten sie dennoch mit höheren Preisen konfrontiert werden. So will auch die Margarine-Industrie für ihre Produkte bessere Erlöse durchsetzen. Da inzwischen die deutsche Rapsölproduktion nahezu komplett in die Herstellung von Biodiesel fließt, müsse auch die Margarine teurer werden, lautet die Argumentation.

Und auch das Brot als Basis jeglichen Aufstrichs bleibt von Verteuerungen wahrscheinlich nicht verschont. Denn die deutschen Bäcker leiden ebenfalls unter dem massiv gestiegenen Kostendruck. Nach Berechnungen des Verbandes Deutscher Großbäckereien (VDG) sind die Herstellungs- und Vertriebskosten für Brot und Backwaren um neun Prozent gestiegen, für Bio-Backwaren sogar um 20 Prozent.

Vor allem die enorm gestiegenen Getreidepreise verhageln den Bäckern die Bilanz. So werden für Bio-Getreide bis zu 65 Prozent und für konventionelles Getreide bis zu 24 Prozent mehr verlangt.

Hauptgründe für die Explosion der Rohstoffpreise ist zum einen die Tatsache, dass mittlerweile ein Drittel der Roggenernte zu Bio-Sprit verarbeitet wird, zum anderen sind die gestiegenen Preise auf Witterungseinflüsse und auf spekulative Faktoren zurückzuführen. Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) hatte schon zu Beginn des Jahres gemahnt, der sichere Rohstoffbezug zu vertretbaren Preisen sei für die Unternehmen der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie vor dem Hintergrund einer zunehmenden Konkurrenz mit den Erzeugern von Bio-Energie unverzichtbar.Allein die Süßwarenindustrie sieht sich mit Preissteigerungen im Rohstoffbereich „in nie gekanntem Ausmaß“ konfrontiert. Nach der Milch – Basis für alle milchhaltigen Schokoladenerzeugnisse – stiegen auch noch die Preise von Kakao, Mais und Glukose.

Die Brauindustrie klagt über die gegenüber 2006 fast verdoppelten Malzpreise, die verdreifachten Hopfenpreise sowie die ebenfalls stark gestiegenen Glas- und Energiekosten. „Hier wäre eigentlich eine Erhöhung von rund einem Euro pro Kasten im Getränkeabholmarkt fällig“, sagt Michael Huber, Generalbevollmächtigter der Brauerei Veltins.

Entschieden wird letztlich am Verhandlungstisch, an dem die Hersteller den Vertretern des wettbewerbsintensiven deutschen Einzelhandels gegenüber sitzen. Deshalb heißt der Schlusssatz bei allen Preisforderungen in der Regel: „Angesichts des starken Konkurrenzkampfes im deutschen Lebensmittelmarkt ist jedoch noch unklar, in welchem Maße Preissteigerungen auf die Verbraucher zukommen können.“

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