Agco-Chef im Interview: „Aufschrei der Politik reine Heuchelei“

Agco-Chef im Interview
„Aufschrei der Politik reine Heuchelei“

„Deutsche Unternehmen sollten so transparent publizieren wie in den USA“. Agco-Chef Martin Richenhagen äußerte sich im Handelsblatt-Interview über das Rekordjahr von Agco, Trecker-Märkte sowie die Diskussion über Manager und Gehälter.

Handelsblatt: Herr Richenhagen, Agco hat ein Rekordjahr hinter sich, die Preise für Getreide haben sich innerhalb kurzer Zeit verdoppelt. Lässt sich daraus schließen, dass auch deutsche Bauern allmählich Geld verdienen wie Heu?

Martin Richenhagen: Zunächst einmal muss man sehen, dass die Getreidepreise jahrelang völlig unterbewertet waren und zeitweise sogar unter dem Niveau von 1945 lagen. Insofern würde ich von einem sinnvollen Nachholbedarf sprechen. Und was die Landwirte angeht: Die bekommen jetzt endlich Preise, die ihre Kosten decken. Die Branche ist insbesondere in Deutschland auf dem Weg zu einem normalen, vernünftigen Geschäft, das in Zukunft ohne Subventionen auskommen kann. Ich glaube, wir werden bald eine harmonische Rückführung der Subventionen sehen.

Müssen Sie bei Agco nicht damit rechnen, dass die Landwirtschaft angesichts der boomenden Rohstoffpreise zwar jetzt kräftig in ihre Maschinenparks investiert, die Aufträge bei der nächsten Korrektur aber wieder zurückgehen werden?

Nein, denn die Getreidepreise werden hoch bleiben. Die Nachfrage nach Weizen oder Mais ist so stark, dass die Zyklen der Vergangenheit kein Gradmesser für die Zukunft sind. Schon bald wandern 40 Prozent der gesamten US-Maisproduktion in die Ethanolherstellung, um Biodiesel zu produzieren. Hinzu kommt: Die Weltbevölkerung wächst, und in Schwellenländern wie China oder Indien beginnen immer mehr Menschen hochwertigere Lebensmittel zu kaufen. Das alles erhöht den Bedarf an Landtechnik.

Boombranchen locken nicht selten zahlreiche Wettbewerber an, die entweder in das Geschäft einsteigen oder dorthin zurückkehren. Müssen Sie damit rechnen, dass ihnen hier und da neue Konkurrenz ihr Geschäft bedrohen könnte?

Davon spüren wir nichts. Unsere Branche war vor Jahren sehr zersplittert und hat sich gerade erst konsolidiert. Außerdem sind die Markteintrittsbarrieren hoch. Die Entwicklung eines neuen Mähdreschers dauert etwa fünf Jahre.

Dann haben Sie sicherlich die Langfrist-Ziele von Agco angesichts der günstigen Großwetterlage bereits nach oben anpassen können.

Wir haben im laufenden Jahr deutlich mehr Umsatz erzielt als erwartet und gehen jetzt davon aus, dass wir die Erlöse bis 2011 auf acht Milliarden Dollar steigern können. Das ist eine Milliarde mehr als ursprünglich geplant und eine aus meiner Sicht konservative Prognose. Die Umsatzrendite soll auf 5,5 Prozent steigen.

Ihr großer Konkurrent ist der Marktführer John Deere. Der Wettbewerber kommt bereits heute auf annähernd zehn Prozent Rendite. Was macht er besser?

John Deere ist stärker in der Erntetechnik vertreten, wo die Margen einfach höher sind. Allerdings: In Europa und Südamerika liegt auch unsere Rendite bereits bei über zehn Prozent. Probleme gibt es noch in den USA, weil wir dort zu wenig Marktanteile haben. Und der schwache Dollarkurs kommt uns mit dem wichtigen Standbein in Europa natürlich nicht gerade entgegen.

Sie verkaufen deutsche Fendt-Traktoren als eine Art Porsche unter den Landmaschinen. Sind denn amerikanische Bauern überhaupt bereit, dafür 20 Prozent Aufpreis zu zahlen?

Wenn sie professionell rechnen, sollten sie das jedenfalls tun. Mit einem Fendt können sie allein 10 000 Euro Kraftstoff pro Jahr sparen. An der Autobranche können sie erkennen, dass es Amerikaner beim Fahren etwas einfacher wünschen. Die Anforderungen an die Technologie steigen allerdings. Heute ist die Luxusauto-Klasse in den USA fast komplett in ausländischer Hand, oder sehen Sie noch einen Cadillac? Diesen Trend erwarte ich mittelfristig auch bei Landmaschinen.

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