AGCO-Tochter Fendt erweitert Produktion
Traktoren-Hersteller rüsten sich für Wachstum in Osteuropa

Der Inlandsmarkt zieht an, die Exporte boomen. „Wir planen, in Deutschland 400 Mitarbeiter zusätzlich einzustellen“, sagt Hermann Merschroth, Geschäftsführer des deutschen Traktorbauers Fendt. Nach Jahren des Stillstandes beginne sich die Stimmung in Deutschland zu drehen.

MÜNCHEN. Nachdem das Geschäft in der Vergangenheit vor allem vom Export getragen wurde, seien seit Anfang des Jahres hier zu Lande vier Prozent mehr Traktoren zugelassen worden. Nach einem Zuwachs von acht Prozent im vergangenen Jahr auf 761 Mill. Euro will Fendt in diesem Jahr mehr als 800 Mill. Euro umsetzen. Damit steuert die Traditionsmarke des US-Landmaschinenkonzerns AGCO auf ein neues Rekordjahr zu. „Es zeigt sich: Fendt ist unser bestes Pferd im Stall“, sagte der deutsche AGCO-Chef, Martin Richenhagen. AGCO hat Fendt 1997 übernommen. Seither hat sich der Umsatz fast verdoppelt.

Weltweit machen die Landmaschinenhersteller zur Zeit gute Geschäfte. Neben den USA und Westeuropa haben sich vor allem die EU-Beitrittsländer wie Polen zu lukrativen Absatzmärkten entwickelt. Neben AGCO sind der US-Branchenprimus John Deere und die Fiat-Tochter Case New Holland die größten Anbieter. In der Weltliga ganz vorne dabei ist das westfälische Familienunternehmen Claas, das nach der Übernahme der Traktorenproduktion von Renault zu einem starken Wettbewerber von AGCO aufgestiegen ist. Alleine Claas plant, in den kommenden Jahren den Umsatz um rund zehn Prozent pro Jahr zu steigern. Doch statt eines Verdrängungswettbewerbs erwarten die Kontrahenten genug Marktchancen für alle Anbieter. „Die Weltbevölkerung wächst, der Landwirtschaft gehört die Zukunft“, sagt Richenhagen, der die Geschäfte der AGCO-Gruppe aus den USA lenkt.

Um das Wachstum zu sichern, will AGCO die deutschen Fendt-Werke im bayerischen Bäumenheim und Marktoberdorf ausbauen. So sollen die von Fendt entwickelten stufenlosen Vario-Getriebe in Zukunft von allen Konzernmarken übernommen werden. Damit könnten die deutschen Traktorgetriebe auch in Traktoren und Erntemaschinen von Massey-Ferguson oder Caterpillar auf der ganzen Welt zum Einsatz kommen und den Exportanteil der deutschen Landmaschinenindustrie weiter ausbauen.

„Die deutsche Landmaschinentechnik hat weltweit eine technologische Spitzenstellung“, sagt Bernd Scherer vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau VDMA. Drei von vier Mähdreschern und Traktoren die hier zu Lande gebaut werden, gehen bereits in den Export. Dass die Arbeitsplätze in Deutschland entstehen, wundert den Experten nicht. Die Unternehmen kauften günstig Komponenten auf dem Weltmarkt, das Know-how in Deutschland sei aber nach wie vor ein schwer zu ersetzender Wettbewerbsvorteil.

Dennoch blicken die Hersteller weiter nach Osten. „In den EU-Beitrittsländern wird derzeit viel in die Erntetechnik investiert“, sagt Scherer. Polen oder Ungarn profitieren von EU-Fördermitteln und nationalen Investitionszuschüssen für die Modernisierung der Landwirtschaft. Neu sei der Geldregen für die russische Landwirtschaft. „Die staatlich kontrollierten Ölkonzerne investieren einen Teil ihrer Milliardengewinne in der Landwirtschaft.“, sagt Scherer. „Russland will langfristig ein starker Agrarexporteur werden.“ Bereits im vergangenen Jahr hat Russland für 400 Mill. Euro Landtechnik importiert, die Hälfte der gelieferten Traktoren, Mähdrescher und Erntemaschinen kam aus Deutschland.

Ein Wachstum, das nicht nur über Exporte gedeckt werden kann. Nachdem Claas den Bau einer Mähdrescherfabrik in Krasnodar angekündigt hat, will nun auch AGCO/Fendt in Russland investieren. „Wir planen mit russischen Partnern den Aufbau von zwei Joint-Ventures“ kündigte AGCO-Chef Richenhagen an.

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