Agenda der VW-Aufseher
Alles geklärt, alles offen

Wieder einmal tagen die VW-Aufseher. Die Wahl eines neuen Vorsitzenden ist dabei ihre leichteste Aufgabe. Bei der technischen Aufarbeitung des Abgas-Betruges bleiben die entscheidenden Fragen immer noch ungeklärt.
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Deutschlands größter Autokonzern will endlich wieder zurück zur Stabilität. Darum treffen sich an diesem Mittwoch die Aufseher von Volkswagen, um erst einen neuen Aufsichtsratschef zu wählen und dann über die weitere Krisenstrategie zu beraten.

Dabei gilt die wichtigste Entscheidung schon als ausgemachte Sache: Hans Dieter Pötsch, der bisherige VW-Finanzchef, soll nach dem Willen des Präsidiums zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates gewählt werden. Bereits am Vormittag hatte das Amtsgericht Braunschweig den Österreicher auf Vorschlag des VW-Präsidiums zum Aufsichtsrat ernannt.

Aktionärsschützer hatten dieses Vorgehen kritisiert, doch in der VW-Spitze hat eine schnelle personelle Lösung derzeit Vorrang. Besonders die Eigentümerfamilien hatten Pötsch gegen Kritik aus Gewerkschaftskreisen den Rücken gestärkt.

Damit der Aufsichtsrat Pötsch zum neuen Chefaufseher gewählt werden kann, musste der Gerichtsbeschluss per Eilboten von Braunschweig nach Wolfsburg gebracht werden. Die Piëch-Nichte Julia Kuhn-Piëch muss ihren Platz für Pötsch räumen. Damit sinkt auch der Frauenanteil im VW-Aufsichtsrat wieder.

Doch in der aktuellen Krise braucht der Konzern den neuen Chefaufseher dringend. Nach dem Abgang des jahrelangen Firmenpatriarchen Ferdinand Piëch im Frühjahr hatte der Gewerkschafter Berthold Huber zunächst kommissarisch die Geschäfte übernommen. Zumindest die personelle Umstellung an der Spitze dürfte mit der Benennung von Pötsch vorerst abgeschlossen sein. Nach dem Rücktritt von Konzernchef Martin Winterkorn waren Entwicklungschef Heinz-Jakob Neußer, Audi-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg und Porsche-Entwicklungschef Wolfgang Hatz beurlaubt worden.

Die technische Aufarbeitung des Abgasskandals dürfte sich dagegen noch länger hinziehen. So wartet das Bundesverkehrsministerium darauf, dass VW nun auch schriftlich mitteilt, wie und wann die Manipulation an Diesel-Fahrzeugen abgestellt werden. „Gestern hat uns VW noch einmal versichert, dass der Brief an das Kraftfahrtbundesamt heute (Mittwoch, Anm. der Redaktion) eingehen wird“, sagte ein Ministeriumssprecher. In diesem Schreiben müsse der Konzern erklären, wie genau die Motoren manipuliert wurde, wie und in welchem Zeitraum der Konzern die Probleme beheben wolle, sagte der Sprecher weiter.

In einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ hatte der neue VW-Chef Matthias Müller erste Zeitplanungen öffentlich gemacht. Demnach will VW mit dem Rückruf erst im Januar 2016 beginnen. Abgeschlossen wird er erst bis zum Ende des Jahres.

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  • Hr. Müller sagte gestern, daß nach aktuellem Kenntnisstand nur ein kleiner Kreis an Personen von den Manipulationen wußte. Der Kreis dürfte mit den beurlaubten/gefeuerten Vorständen ja nun weitgehend durch sein (wenn es kein Schnellschuß war) und an der Basis gibts dann folgerichtig personell nicht mehr viel zu tun.
    Wer das glaubt oder heute in die Aktien investiert wird sich gewiß noch wundern.

  • Welche Konsequenzen auf Volkswagen zukommen, interessiert mich einen Schmarrn! Ich habe keine Aktien von VW, aber einige der betroffenen Diesel-Fahrzeuge.

    Mich interessieren nur die Konsequenzen, die auf mich als Halter zukommen. Für welche Fahrzeuge sind konkret welche Maßnahmen geplant und was resultiert aus der Umsetzung. Habe ich dann einen höheren Verbrauch? Wenn ja, um wieviel? Wer trägt dafür die Kosten?
    Habe ich dadurch geringere Leistung? Das hatte ich nicht bestellt, wer übernimmt also die Minderung des Kaufpreises?

    Oder anders: Wenn ich die Umrüstungen nicht ausführen lasse, verliere ich dann die grüne Plakette? Oder zahle ich dann mehr KFz-Steuer? Und wenn ja, ab wann?
    Welche Auswirkungen hätte das auf den Restwert nach 3-5 Betriebsjahren?

    Bitte, liebes Handelsblatt! Besorgen Sie Informationen, die auch was nutzen!

  • Ich bin mit meinem Caddy 1,6 TDI betroffen.

    So wie ich 1997 gesagt habe, daß ich niemals mehr einen Opel kaufen werde, nachdem man meiner Frau und mir im Jahr 1997 unsere Opel Nr. 11 und 12 in hundsmiseabler Qualität geliefert hat (Lopez-Effekt, ein Astra und ein Calibra), so sage ich nun, daß ich aus dem gesamten VW-Konzern NIEMALS mehr ein Auto kaufen werde.

    Ich lasse mich nicht freiwillig arglistig täuschen und betrügen!

    Die Verantwortlichen gehören in den Knast und das sofort!

    Mein Zweitwagen ist übrigens 17 Jahre alt, war niemals defekt, wird noch nicht einmal gewartet, nur gelegentlich TÜV, ASU Filterwechsel, Ölwechsel, Bremsflüssigkeitswechsel.

    Er hat noch den ersten Auspuff, die ersten Bremsen, keinerlei Rost, niemals eine Reparatur.

    Es ist ein SLK 230!

    Heilix Blechle mit Sternle, das freut das Herz des Schwaben...

    ...das Sternle wird mich in Zukunft begleiten!

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