Agentur berücksichtigt finanzielle Unterstützung des Eigners
Moody’s stuft Staatsunternehmen herauf

Die Ratingagentur Moody’s hat seine Methode verändert. Als Folge haben viele staatsnahe europäische Industrieunternehmen eine um eine Stufe bessere Bonitätsnote erhalten - darunter große Anleihe-Emittenten aus dem Telekom- und Versorgerbereich wie etwa die Deutsche Telekom

HB FRANKFURT/M. Bessere Bewertungen erhielten auch France Télécom, die italienischen Versorger Enel und Eni sowie Gaz de France und Eléctricité de France. Der Rüstungskonzern EADS bekam sogar ein um zwei Stufen besseres Rating (s. Tabelle).

Die Agentur hat ein Schema entwickelt, nach dem sie bewertet, ob und wie der Staat ein Unternehmen bei Zahlungsschwierigkeiten unterstützt. Eine Rolle spielt dabei unter anderem der staatliche Eigentumsanteil und die Bedeutung des Unternehmens. „Diese Einschätzungen sind natürlich subjektiv, aber in Ratings fließen immer persönliche Bewertungen der Analysten mit ein“, sagte Eric de Bodard, Chief Credit Officer bei Moody’s. „Wir haben die Ratingmethode verbessert, und die Einschätzungen sind jetzt transparenter.“

Analysten bei den Banken waren von der Masse der Heraufstufungen dennoch überrascht. Denn insgesamt bekamen 39 Firmen ein besseres Rating. Moody’s hatte zwar schon im April angekündigt, die Bonitätsnoten für staatsnahe Unternehmen zu überprüfen. „Aber kein Unternehmen wurde auf die Überprüfungsliste mit positivem Vorzeichen gesetzt – üblicherweise die Indikation für eine Heraufstufungsabsicht“, meinte Christian Albrecht, Analyst für Unternehmensanleihen bei der DZ Bank.

Am Anleihemarkt sorgten die Entscheidungen von Moody’s dennoch nur für relativ wenig Bewegung. Das erklären Analysten zum einen mit den ohnehin schon niedrigen Renditen. „In turbulenteren Marktphasen gehe ich jedoch davon aus, dass sich zum Beispiel die Anleihen von Deutscher Telekom und France Télécom besser entwickeln werden als der Markt“, sagte Albrecht. Langfristig bezweifelt die DZ Bank aber, dass sich die neue Moody’s-Methodik am Markt durchsetzen und in deutlich niedrigeren Renditen niederschlagen wird. Denn mit Blick auf weiter vorgesehenen Privatisierungen sollte der Staatseinfluss bei vielen Unternehmen an Bedeutung verlieren. Das sieht auch die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) so. „Unsere Ratings berücksichtigen ebenfalls staatliche Unterstützungen. Aber die Aufsichtsbehörden der Europäischen Union machen staatliche Eingriffe zunehmend schwieriger“, sagte S&P auf Anfrage. Auch Trevor Pitman, Chef für asiatische und europäische Unternehmensratings bei Fitch erklärte: „Wir planen derzeit nicht, unsere Methodik zu ändern.“

Joshua Galaun, Analyst für Unternehmensanleihen bei Dresdner Kleinwort Wasserstein, warnte die Investoren davor, zu euphorisch auf die Ratingheraufstufungen zu reagieren: „Anleger sollten nicht vergessen, dass die besseren Ratings kein Ausdruck dafür sind, dass sich die Finanzkennzahlen der Unternehmen verbessert haben.“

Sollten die Renditen der von Moody’s herauf gestuften Unternehmen doch noch stärker sinken, können sich sie günstiger refinanzieren. France Télécom und Deutsche Telekom profitieren aber schon jetzt von den Moody’s-Aktion. Denn beide haben Anleihen mit so genannten Stufenzinsanleihen ausstehen. Bei diesen richten sich die Kupons nach den Ratings. Ein Sprecher der Deutschen Telekom ließ verlauten, dass die Telekom daher für die Stufenzinspapiere in diesem Jahr rund 25 Mill. und 2006 rund 60 Mill. Euro weniger Zinsen zahlen müsse.

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