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23.05.2006 
Schadensersatzklage

Agfa-Pleite hat teures Nachspiel

von Christoph Schlautmann

Langsam, ganz langsam kommen die Hintergründe der Pleite des Traditionsunternehmens Agfa-Photo ans Licht. Eine unrühmliche Rolle spielt dabei der ehemalige Mutterkonzern Agfa-Gevaert. Deshalb rollen nun Schadensersatzforderungen in dreistelliger Millionenhöhe auf ihn zu. Die Geschichte liest sich wie ein Krimi.

Agfa war neben Kodak, Fuji und Konica die vierte große Marke bei Fotofilmen. Die Leverkusener stellten auch Chemie, Fotopapier und Labormaschinen her. Foto: dpaLupe

Agfa war neben Kodak, Fuji und Konica die vierte große Marke bei Fotofilmen. Die Leverkusener stellten auch Chemie, Fotopapier und Labormaschinen her. Foto: dpa

HB DÜSSELDORF. Agfa-Photo-Käufer Hartmut Emans wie auch Mitarbeiter des einstigen Traditionsunternehmens bemühen inzwischen die Gerichte. „Vor einem internationalen Schiedsgericht klagen wir auf Schadensersatz in dreistelliger Millionenhöhe“, bestätigte Emans dem Handelsblatt. Die Klage sei im Dezember eingereicht worden. Schadensersatz verlangt seine Agfa-Photo-Holding, weil ihr Agfa-Gevaert ohne Grund den Lizenzvertrag über die Marke Agfa-Photo gekündigt habe. Dadurch sei hoher Schaden entstanden. Ende 2004 hatte der Technologiekonzern aus dem belgischen Moksel die Agfa-Photo-Sparte in die Selbstständigkeit entlassen.

Nach einem Schriftsatz der von Emans eingeschalteten Münchener Kanzlei Bub, Gauweiler & Partner haben die Belgier zudem den Kaufpreis mit geschönten Geschäftsaussichten hoch geschraubt. Zum Beweis legten sie der Kölner Staatsanwaltschaft einen Verkaufsprospekt vom Dezember 2003 vor, der für die spätere Agfa-Photo einen zu erwartenden Betriebsgewinn von 446 Mill. Euro für die Jahre 2005 bis 2007 ausweist. In einer internen Vorstandspräsentation waren sie dagegen auf ein Ergebnis von minus 45 Mill. Euro gekommen. Schlimmer noch: Durch zu erwartende Schließungen, erfuhr der Vorstand im April 2004 in einem internen Papier, sei in diesem Zeitraum mit einem Verlust von 477 Mill. Euro zu rechnen.

Auch die von Agfa-Gevaert zugesicherte Liquidität stellte der Konzern seiner ehemaligen Tochter nicht zur Verfügung. Stattdessen stoppte der Konzern, der für Agfa-Photo weiterhin das Inkasso betrieb, laut Insolvenzverwalter Andreas Ringstmeier die Weitergabe der Kundengelder. Den Grund deutete Insolvenz-Geschäftsführer Hans-Gerd Jauch auf einer Gläubigerversammlung an: Agfa-Gevaert habe damit Druck auf Emans ausüben wollen, den von Agfa-Gevaert einseitig festgelegten Kaufpreis von 112 Mill. Euro für Agfa-Photo zu akzeptieren.

In Moksel weist man alle Schuld von sich. Emans habe den Kauf durch ein Due-Diligence-Verfahren geprüft. Außerdem habe sich das gut informierte Management im Rahmen eines Management-Buy-outs an der Käufergesellschaft in erheblichem Maße finanziell beteiligt.

Tatsächlich übernahm Spartenleiter Eddy Rottie bei der ausgegründeten Agfa-Photo zunächst die Geschäftsführung. Doch seine Rolle wirft im Nachhinein Fragen auf. Das neue Management, schreiben die Emans-Anwälte, sei angehalten worden, die Dokumente aus dem Hause Agfa-Gevaert zurückzuhalten. Erst im April 2005, einen Monat vor der Insolvenz, seien sie dem Käufer übergeben worden.

„Rottie ist womöglich ein U-Boot von Agfa-Gevaert gewesen“, mutmaßt Gisbert Ingenfeld, der bei der Wirtschaftskanzlei Nogossek ehemalige Beschäftigte im Streit gegen Agfa-Gevaert vertritt. Für seine Theorie spricht manches: Agfa-Gevaert hatte Rottie vertraglich die Rückkehr in den belgischen Konzern zugesichert, falls es mit Agfa-Photo nicht klappen sollte. Dies habe Rottie vor einem Jahr auf einer Münchener Betriebsversammlung bestätigt, berichten Ex-Mitarbeiter. Hinzu kommt, dass ihm von Agfa-Gevaert offenbar ein Bonus für den Fall in Aussicht gestellt wurde, dass man für die angeschlagene Sparte einen Käufer finden würde.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Auch der Insolvenzverwalter hat noch eine Rechnung mit Agfa-Gaevert offen.

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