Aggressive Preispolitik rächt sich
Amerikaner fahren auf deutsche Luxusautos ab

Deutsche Luxusautos erfreuen sich in den USA trotz einer insgesamt eher schwachen Marktlage ungebrochen starker Nachfrage. Während so genannte Massenhersteller wie Volkswagen oder Ford im vergangenen Monat die Zurückhaltung bei den amerikanischen Verbrauchern zu spüren bekamen, verkauften Audi, BMW, Mercedes und Porsche deutlich mehr Wagen.

Reuters FRANKFURT. Getragen wurden die Zuwächse auch durch die Markteinführung neuer Modelle. Die Börse honorierte die guten US-Absatzzahlen deutscher Premiumhersteller am Mittwoch mit Kursaufschlägen.

Die jüngsten Zahlen für den US-Automarkt zeigen, dass sich der Preiskampf der amerikanischen Hersteller offenbar nicht mehr auszahlt. Zwar legte der Gesamtmarkt noch um gut vier Prozent zu. Die Verkaufszahlen einiger heimischer Anbieter enttäuschten jedoch. Seit Monaten versuchen die US-Fahrzeugbauer, sich mit kostspieligen Preisnachlässen und sonstigen Kaufanreizen (“Incentives“) die Kunden abzujagen.

Exporte stützen schwache Inlands-Nachfrage

Die USA sind nach Westeuropa der zweitwichtigste Ausfuhrmarkt für die deutschen Autobauer. Von Januar bis April verkauften die hiesigen Konzerne in Amerika rund 200 000 Autos - gut elf Prozent mehr als vor einem Jahr. Generell stützen die Exporte seit Monaten die von der schwachen Inlandsnachfrage gebeutelte Autoindustrie. Allerdings wird in diesem Jahr in Westeuropa wie in Amerika mit Rückgängen auf den Automobilmärkten gerechnet.

Vor allem Limousinen und Spaß-Autos wie Geländewagen aus Deutschland fanden im Juni in den USA reißenden Absatz. Audi steigerte die Verkäufe um fast zehn Prozent auf mehr als 8000 Fahrzeuge - auf der Basis der Werktage legte der Absatz im Vergleich zum Vorjahresmonat sogar um knapp 19 Prozent zu. Mercedes-Benz setze fast sieben Prozent mehr ab, BMW verkaufte rund zehn Prozent mehr Autos und Porsche brachte rund ein Viertel mehr Fahrzeuge an den Mann.

Neue Modell kurbeln Absatz an

Auto-Analyst Albrecht Denninghoff von der Hypo-Vereinsbank verweist darauf, dass besonders die deutschen Premiumhersteller in den vergangenen Wochen neue Automodelle in den USA auf den Markt gebracht und dadurch die Nachfrage zusätzlich angekurbelt hätten. „Das hat natürlich geholfen“, sagte er. So profitierte unter anderem BMW weiter vom Kultwagen „Mini“ und Porsche konnte auf den Geländewagen „Cayenne“ bauen. Ohne dieses neue Modell wäre der US-Absatz des Stuttgarter Sportwagenbauers um 39 Prozent eingebrochen. Ein Umstand, den auch der Aktienmarkt registrierte: Im Gegensatz zur Konkurrenz wurde die Porsche-Aktie am Mittwoch nur etwas höher gehandelt.

„Die Zahlen darf man nicht überbewerten“, warnt auch Analyst Michael Punzet von der Landesbank Rheinland-Pfalz. „Ich bin nach wie vor skeptisch, was die großen Automärkte angeht. Ich sehe die Zahlen nicht als Zeichen der Trendwende.“

Ungeachtet dessen waren die Autoaktien gefragt: BMW stiegen zunächst um 4,5 Prozent, Daimler-Chrysler und VW legten je rund drei Prozent zu. „Der US-Absatz der deutschen Autohersteller ist hervorragend, wenn man bedenkt wie schwach die Autokonjunktur in den USA insgesamt ist“, sagte ein Händler.

"VW läuft weiter schlecht"

Einzig Volkswagen wies von den deutschen Autobauern eine negative US-Absatzbilanz für den Juni aus. „VW läuft weiter schlecht“, kommentiert Analyst Denninghoff den Rückgang bei den Wolfsburgern von 21 Prozent. Negativ entwickelten sich auch die Verkäufe vom weltweit zweitgrößten Autobauer Ford, während Erzrivale und Branchenprimus General Motors (GM) noch grade ein Plus von 1,5 Prozent erzielte und damit hinter den Erwartungen der Analysten zurückblieb. Der dritte im Bunde - die Daimler-Tochter Chrysler - setzte indes fast 200 000 Fahrzeuge ab - ein bereinigtes Plus von gut sechs Prozent. Chrysler hatte jüngst eine überraschend deutliche Gewinnwarnung abgegeben und kurz darauf die Incentive-Politik verschärft.

Nach Einschätzung von Analyst Denninghoff beginnt sich die Strategie der aggressiven Preispolitik in den USA allmählich zu rächen. „Das ist nur ein kurzfristiger Effekt. Wenn das mehrere Monate läuft, gewöhnt sich der Markt daran.“ Gerade aus diesem Grund habe Chrysler wohl auch besser verkauft als Konkurrenten: Das Unternehmen hatte sich lange Zeit mit der Gewährung von Kaufanreizen wie zinslosen Krediten zurückgehalten und ist hier erst nach und nach in die Offensive gegangen. Während die künstlich angekurbelte Nachfrage für Ford und GM sich allmählich zu sättigen scheine, stehe Chrysler noch relativ am Anfang dieser Entwicklung, glaubt Denninghoff.

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