Agnelli-Tochter klagt
Fiat-Erben im Clinch

Dem Fiat-Clan droht ein Erbschaftsstreit. Margherita Agnelli de Pahlen, einziges überlebendes Kind des 2003 verstorbenen Patriarchen Gianni Agnelli, hat Klage gegen enge Vertraute ihres Vaters eingereicht. Sie glaubt, ihr Erbe sei höher als bisher geglaubt.

HB MAILAND. Zu seinen Lebzeiten war Gianni Agnelli, der Enkel des gleichnamigen Firmengründers des italienischen Auto- und Industriekonzerns Fiat, einer der illustersten Geschäftsmänner Europas und vor allem für seinen Lebensstil bekannt. Jetzt riskiert ausgerechnet seine Tochter, Mutter des amtierenden Fiat-Vize-Präsidenten John Elkann, mit einer Klage das Ansehen von Europas vornehmster Dynastie zu beschädigen.

Wie das Wall Street Journal berichtet, hat die 52-Jährige gestern in Turin eine Klage eingereicht. Sie wirft den drei engsten Vertrauten ihres verstorbenen Vaters vor, bisher keine vollständige Aufstellung des Agnelli-Vermögens vorgelegt zu haben. Es könnten immer noch bedeutende Summen auf Bankkonten rund um die Welt verstreut liegen, die an die Erben ausgezahlt werden müssten.

Der Gerichtsprozess droht die Einheit den sonst so verschworenen Agnelli-Clan zu zerbrechen und zeigt das Europas uraltes Model des Familien-Kapitalismus unter Druck gerät. Die Agnelli-Familie kontrollierte für mehr als ein Jahrhundert weite Teile der italienischen Wirtschaft. Kernstück war der Fiat-Konzern mit den Marken Ferrari, Alfa Romeo und Fiat. Außerdem gehörten zum Familien-Imperium unter anderem Zeitungen, der Fußballverein Juventus, Anteile an der New Yorker Immobilienfirma Cushman & Wakefield und an mehreren europäischen Großunternehmen. Giovanni Agnelli & Co, die Firma, in der der Großteil des Familienvermögens steckt, hat einen geschätzten Wert von mehr als drei Millionen Euro.

Das Gerichtsverfahren könnte für die fast 200 Agnelli-Erben und ihr Netzwerk von börsennotierten Firmen – etwa Ifil oder Fiat – Folgen haben, denn die drei von Agnelli de Pahlen Beschuldigten sind noch heute für den Clan aktiv: Franzo Grande Stevens ist Rechtsbeistand der Familie, Gianluigi Gabetti gehört noch immer zu den oberen Führungskräften des Familien-Holding und Sigfrid Maron verwaltet das Privatvermögen der Familie in der Schweiz. Zudem haben der 79-jährige Stevens und der 82-jährige Gabetti wichtige Posten in Vorständen und Aufsichtsräten von börsennotierten Unternehmen inne, die Agnelli kontrolliert. Die Beschuldigten haben sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Schon nach dem Tod Agnellis vor vier Jahren war es zu Erbstreitigkeiten gekommen. Doch zuletzt hatte sich Margherita Agnelli de Pahlen 2004 mit der Aufteilung des Erbes zufrieden erklärt.

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