Agrarchemie-Konzern: Die selbsternannten Weltretter von Syngenta

Agrarchemie-Konzern
Die selbsternannten Weltretter von Syngenta

Syngenta hat im vergangenen Jahr fast zwei Milliarden Dollar verdient. Bisher präsentierte sich der Agrarchemiekonzern als Retter der Welt - doch nun soll er für den Tod von Millionen von Bienen verantwortlich sein.
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ZürichAls sich Ende Januar bei der „Grünen Woche“ in Berlin Landwirte, Agrarkonzerne und Vermarkter in den warmen Messehallen über die neusten Branchenentwicklungen austauschten, standen in der Kälte vor der Tür 25.000 Demonstranten. Auf ihren Schilder stand "Gentechnik - nein, danke." und „Ihre Agrarpolitik geht auf unsere Kosten“. Ihr Unmut richtet sich gegen die großen Agrarkonzerne, die mit genverändertem Saatgut und chemischen Pestiziden jedes Jahr aufs Neue Milliardengewinne machen.
So wie Syngenta. Der Schweizer Konzern legte heute seine Bilanz vor. Darin stand unter dem Strich knapp 1,9 Milliarden Dollar - 17 Prozent mehr als 2011. Der Umsatz ist im selben Zeitraum um sieben Prozent auf 14,2 Milliarden Dollar gestiegen. Das heißt, der Konzern hat nicht nur mehr verkauft, sondern an dem Verkauften auch wesentlich mehr verdient.

Damit spielt Syngenta in einer Liga mit dem US-Giganten Monsanto. Bei diesem sieht es nicht weniger gut aus: Der Gewinn von Monsanto lag alleine im ersten Quartal zum 30. November bei 339 Millionen Dollar, nach 126 Millionen Dollar im Vorjahr. Damit ist Monsanto Weltmarktführer.

Syngenta stört sich am größeren Konkurrenten jedoch wenig. In dessen Schatten lebt es sich ruhiger. Während Monsanto den laustarken Unmut der Freunde von Bioprodukten auf sich gezogen hat - unter anderem weil er 2009 eine Anbauerlaubnis für die gentechnisch veränderte Kartoffel Amflora in Europa durchsetzte - ist es still um Syngenta.

Auch die Demonstranten der "Grünen Woche" trugen breitflächige Banner mit der Aufschrift „Lieber Vin Santo als Monsanto“. Das Syngenta-Logo tauchte nicht auf. Selbst die beiden deutschen Branchengrößen Bayer Crop Science und BASF sind häufiger in der Kritik von Umweltschützern als die Schweizer.
Das liegt auch an dem stetigen Bemühen des Konzerns, sich mehr als Weltretter denn als umsatzorientierter Agrochemiekonzern zu präsentieren. „Was der Apple-Zulieferer Foxconn an chinesischen Arbeitskräften aus der Landwirtschaft abzieht, müssen wir mit produktiveren Anbaumethoden ausgleichen, um genügend Nahrungsmittel für eine wachsende Weltbevölkerung produzieren zu können“, sagte etwa der Vorstand für Unternehmensentwicklung im Oktober im Gespräch mit dem Handelsblatt.

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