Airbus
A350: Neun Zehntel noch offen!

Airbus steht in diesen Monaten vor der größten Herausforderung seiner noch jungen Firmengeschichte. Die Entwickler entwerfen ein völlig neues Flugzeug: den A350.

MÜNCHEN. Bei Airbus in Toulouse werden derzeit die Bleistifte gespitzt. Die Entwickler entwerfen ein völlig neues Flugzeug, es sollte einmal A350 heißen. Leichter soll es werden und zugleich leistungsstärker. Effizienter für den Kunden, aber teurer für Airbus. Länger in der Entwicklung, aber besser zu verkaufen. Es wird das Eingeständnis, bislang am Markt vorbei geplant zu haben. Möglicherweise bekommt es deshalb auch einen neuen Namen.

Airbus steht in diesen Monaten vor der größten Herausforderung seiner noch jungen Firmengeschichte. Das Unternehmen, das sich vor 30 Jahren anschickte, die Dominanz der Amerikaner im zivilen Flugzeugbau zu brechen, ist Opfer seines eigenen Erfolgs. Obwohl die Europäer mittlerweile mehr Flugzeuge ausliefern als Erzkonkurrent Boeing, läuten die Alarmglocken in Toulouse. Airbus baut zwar mit dem A380 das größte Flugzeug der Welt und mit dem kleinen A320 das meistverkaufte, doch im Zukunftsmarkt Langstrecke haben die Europäer den Anschluss verloren. Denn während Airbus-Chef Gustav Humbert den A350 nun komplett überarbeiten lässt, hat Boeing für sein Konkurrenzmodell 787 schon 350 Bestellungen in den Büchern.

Das Dilemma ist hausgemacht: Die Konstruktion des Riesenairbus A380 hat die Airbus-Manager berauscht, schließlich wird der Flieger mit bis zu 800 Sitzen der König der Flughäfen des 21. Jahrhunderts sein. Dass der Markt für Langstreckenflugzeuge mit einer Kapazität unter 500 Sitzen eventuell der größere ist, mochte Humberts Vorgänger Noël Forgeard nicht recht glauben. Doch als Boeing vor zwei Jahren mit der 787 ein völlig neu entwickeltes Flugzeug präsentierte, dämmerte den Airbus-Managern, einen Fehler begangen zu haben. Sie nahmen einen 20 Jahre alten Flugzeugtyp, montierten neue Flügel und gingen damit auf Roadshow. Der Versuch A350 ging schief. Wichtige Kunden wie Singapore Airlines oder die Leasinggesellschaft ILFC fordern Airbus nun auf, das Flugzeug neu zu konstruieren.

Airbus hat sich selbst eine Frist gesetzt: Bis Sommer, wohl noch vor der Luftfahrtmesse in Farnborough Mitte Juli, soll das neue Konzept stehen. Dabei kann sich die EADS-Tochter eine Neukonstruktion weder finanziell noch organisatorisch kaum leisten. Bereits jetzt gehen Entwicklungsaufträge in großem Stil an Fremdfirmen, Kooperationen mit den Russen und eine Produktion in China sollen die Airbus-Kapazitäten entlasten, denn der Markt wächst immer noch schneller als die Kapazitäten – wenn man die richtigen Angebote hat.

Eine radikale Neukonstruktion des A350 könnte die Kosten von derzeit 4,5 Milliarden auf gut acht Milliarden Euro steigen lassen. Geld, das die Airbus-Mutter EADS derzeit anderswo braucht. So muss der deutsch-französische Gemeinschaftskonzern wohl rund fünf Milliarden Euro an BAE-Systems zahlen, die ihre 20 Prozent an Airbus abstoßen wollen. Bleiben wieder einmal die Staatshilfen. Der ursprüngliche Plan, ganz auf Steuergelder bei der A350 zu verzichten, ist längst Makulatur. Bis Farnborough wollen die europäischen Regierungen entscheiden, mit wie viel Barem sie den Vogel flügge machen. Der Krach mit den Amerikanern vor der Welthandelsorganisation WTO ist programmiert.

Airbus wird dennoch diesen Weg gehen. Denn die Fluggesellschaften fordern die Europäer auf, Boeing das Feld nicht alleine zu überlassen. 3500 Langstreckenflugzeuge werden in den kommenden 20 Jahren bestellt, sagen Experten. Boeing hat mit der 787 erst ein Zehntel des Marktes in den Büchern.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%