Airbus
A350: Notstart ins Ungewisse

Nach dem Desaster um den Bau des A380 ist der Startschuss für den A350 für Airbus wie eine Erlösung. Ein Restrisiko jedoch bleibt: Offene Fragen zur Finanzierung machen dem Konzern ebenso zu schaffen wie seine Position als Zankapfel der Politik.

HB PARIS. Mit dem Langstreckenflugzeug A350 XWB startet Airbus nach langem Zaudern die Aufholjagd auf Boeing. Doch es sieht aus wie ein ein Notstart ins Ungewisse: Die Finanzierung des zehn Milliarden Euro teuren Abenteuers ist noch nicht durchgängig gesichert. Bis zuletzt stritten die Aktionäre der Konzernmutter EADS um mögliche staatliche Finanzspritzen. Hatten die Airbus-Staaten das Großflugzeug A380 noch zu einem Drittel vorfinanziert, so werden sie jetzt gar nicht erwähnt. Die Finanzierung werde „proaktiv gemanagt“, erklärt EADS lapidar.

Immerhin: Für den Anfang ist genug Geld da, denn die Geschäfte laufen gut. Und für später sind Staatshilfen nicht völlig ausgeschlossen, wenn man den Handelsstreit mit den USA über die Subventionierung des Flugzeugbaus beilegen kann. Der Hauptteil der Entwicklungskosten soll zudem erst von 2010 bis 2013 anfallen. Dann soll der A380 endlich mächtig Geld in die Kassen schwemmen, statt Milliarden zu kosten. Und das gigantische Sparprogramm Power8 soll seine volle Wirkung entfalten: Es soll bis dahin fünf Milliarden Euro Barmittel einsparen und zwei Milliarden Euro Kosten drücken.

Jetzt muss Airbus dafür sorgen, dass der Notstart des A350 nicht zum erneuten Fehlstart wird. Schon vor zwei Jahren hatte Airbus den A350 angeschoben. Die Weiterentwicklung des alternden A330 sollte 2008 auf den Markt kommen. Es wurde ein Flop. Die Manager hatten nicht mit Boeings revolutionärem Projekt 787 gerechnet. Gegen das Flugzeug aus leichten Verbundstoffen sah nicht nur der A330 alt aus, sondern auch der „Zukunftsflieger“ A350. Der Verkauf brach abrupt ein. Plötzlich drohte ein Monopol von Boeing auf dem lukrativen Langstreckenmarkt. Mit dem A350 XWB geht Airbus wieder in die Offensive. Doch Boeings 787 hat jetzt fünf Jahre Vorsprung.

Der Erfolg des A350-Projekts hängt ganz entscheidend an Power8. Bei den industriellen EADS-Aktionären Lagardère und DaimlerChrysler ist aber Skepsis spürbar, weil harter Widerstand programmiert ist. Der EADS-Board setze beim A350 auf „die volle Umsetzung“ von Power8, erklärte die Konzernführung ausdrücklich. Das sei ein „Aufruf zur Disziplin an alle Beteiligten“ auch außerhalb des Konzerns, sagte ein Konzerninsider.

Konkret heißt das: Wenn in Stade, Hamburg oder Toulouse Jobs oder Aufgaben wegfallen und wenn Zulieferer Arbeit nach Asien verlagern, darf kein Staatschef oder Regionalpolitiker dazwischenfunken. Eine gewagte Wette. 1,8 Milliarden Euro Entwicklungskosten sollen nach außen vergeben werden. Und Teile, die bisher Deutsche und Franzosen lieferten, könnten bald aus Russland, China oder vom italienischen Boeing-Partner Finmeccanica kommen. Das rechnet sich. Doch in Frankreich stehen 2007 Wahlen an und Premierminister Dominique de Villepin fordert bereits die Montage des A350 in Toulouse. Auch die Deutschen haben bisher noch um jede Stelle zäh gerungen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%