Airbus-Belegschaft: Sprachlos in Varel

Airbus-Belegschaft
Sprachlos in Varel

Volle Auftragsbücher und Stellenabbau – wie passt das zusammen? Das fragen sich die Arbeiter im Airbus-Werk in Norddeutschland. Ein Ortsbesuch vor der Protestaktion am morgigen Freitag.

VAREL/MÜNCHEN. Es ist ungemütlich, äußerst ungemütlich an diesem Morgen. Der Himmel hängt abweisend grau über dem riesigen Parkplatz. Und ein eisiger Wind fegt über das Gelände hinweg. Die Arbeiter eilen von ihren Autos zum Haupttor des Airbus-Werks am Waldrand des norddeutschen Städtchens Varel. Sie haben keine Zeit und keine Lust, Fragen des Reporters zu beantworten. „Keine Zeit“, murmeln sie und gehen weiter. Oder: „Wenden Sie sich doch an die Pressestelle.“ Andere hasten wortlos weiter.

Am Freitag aber ist damit Schluss. Dann wollen die mehr 1 300 Beschäftigten auf dem Parkplatz lautstark sagen, was ihnen nicht passt, was sie frustriert, was sie über die Absichten ihres obersten Chefs denken. Und nicht nur die wollen Dampf ablassen. Auch ihre Kollegen aus den Airbus-Werken in Nordenham und Buxtehude werden morgens mit Dutzenden Bussen anreisen und sich anhören, was Betriebsräte, IG Metall und Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff von den Sparplänen der Airbus-Zentrale halten. Über 3 000 Menschen werden den tristen Parkplatz in einen riesigen Protestplatz verwandeln mit Bühne und Liveband.

„So eine konzertierte Protestaktion hat es hier bei Airbus noch nicht gegeben“, sagt Michael Eilers, Betriebsratschef in Nordenham. Wut und Enttäuschung sind groß in den norddeutschen Werken des Flugzeugbauers, spätestens seit diesem Montag. Da hatte das Handelsblatt erfahren, dass Airbus-Chef Louis Gallois plant, mehrere Komponentenwerke auszulagern. Das könnte vor allem die Beschäftigten in Varel und im etwa 30 Kilometer entfernten Nordenham treffen.

Gallois will die Kosten drastisch senken, um den deutsch-französischen Konkurrenten des US-Konzerns Boeing aus der Krise und zurück in die schwarzen Zahlen zu führen. In beiden Werken arbeiten mehr als 3 200 Menschen an Komponenten – auch für das neue Superflugzeug A380.

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