Airbus-Chef Thomas Enders
„Wir bauen den A400M nicht um jeden Preis“

Airbus-Chef Thomas Enders zeigt sich im Handelsblatt-Interview trotz Wirtschafts-und Finanzkrise zuversichtlich: Er geht davon aus, dass der Flugzeughersteller bei den Auslieferungen in diesem Jahr das Rekordergebnis von 2008 erreichen kann. Und bei den Problemen mit dem Militärtransporter A400M zeichnet sich eine Lösung ab.

In wenigen Tagen beginnt die Pariser Airshow. Beim letzten Salon 2007 heimsten Sie über 400 Bestellungen ein. Dieses Jahr droht wohl Magerkost?

Wir rechnen nicht mit großen Aufträgen. Wenn wir bis Ende des Jahres rund 300 neue Orders einfahren könnten, wäre das in der jetzigen Situation schon ein Traumergebnis! Aber derzeit ist meine Hauptsorge nicht, neue Bestellungen zu bekommen. Die Abarbeitung unseres gut gefüllten Auftragsbuches, das Sicherstellen unserer Auslieferungen steht für mich ganz oben.

Weil schon die ersten Kunden stornieren. Wackelt ihr Ziel, in diesem Jahr rund 480 Maschinen auszuliefern?

Nein, ich bin nach wie vor überzeugt, dass wir unser Auslieferungsziel erreichen können, vorausgesetzt es gibt keinen weiteren Crash in der Finanzwelt. Wir haben unsere Produktion teilweise bewusst überbucht. Springt also ein Kunde ab, müssen wir deshalb nicht gleich die Fertigung reduzieren. Diese Politik ist natürlich nicht ohne Risiko, aber heute erweist sie sich als goldrichtig. Für dieses Jahr haben wir unseren Überbuchungspuffer logischerweise schon abgebaut, aber für 2010 und 2011 haben wir noch beträchtliche Reserven.

Also haben die Airlines keine Probleme mehr, ihre Flugzeugkäufe zu finanzieren?

Soweit würde ich nicht gehen. Die Lage hat sich aber etwas entspannt. Wir bekommen zum Beispiel gute Unterstützung durch die Export- Kreditversicherer wie Euler-Hermes oder Coface. Sie dürften in diesem Jahr rund 50 Prozent unserer Auslieferungen absichern, vergangenes Jahr waren es noch 20 Prozent.

Sind denn schon alle für 2009 bestellten Flugzeuge durchfinanziert?

Nein. Aber wenn ich die Entwicklung der letzten fünf Monate fortschreibe, dann bin ich zuversichtlich, dass wir unser Auslieferungsziel packen.

Dennoch kürzen sie die Produktion: Statt 36 Maschinen vom Typ A320 wollen sie nur noch 34 pro Monat bauen. Könnten weitere Kürzungen nötig werden?

Ausschließen kann ich natürlich nichts. Wir beobachten den Markt und die Situation unserer Kunden regelmäßig. Das letzte was wir wollen, sind "white tails" - Flugzeuge also, die unverkauft auf dem Hof herumstehen. Die jetzt geplante Kürzung ist aber bereits erheblich. Bei der A320 Familie zum Beispiel wollten wir 2010 ursprünglich 40 Maschinen pro Monat produzieren. Bei der A330/A340 sollten es elf werden. Gemessen an dieser Planung entspricht die beschlossene Kürzung bereits jetzt einem Zurückfahren von 15 bis 20 Prozent.

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