Airbus contra Boeing
Pentagon schreibt Tanker aus

Das US-Verteidigungsministerium hat einen der größten Beschaffungsaufträge der Nachkriegsgeschichte ausgeschrieben. Die Air Force will in den kommenden Jahren 179 Luftbetankungsflugzeuge im Wert von mindestens 30 Milliarden Dollar beschaffen.

HB PORTLAND/MÜNCHEN. Um den Auftrag bewerben sich neben dem US-Konzern Boeing auch Northrop Grumman im Verbund mit dem europäischen Luftfahrtkonzern EADS. Die Ausschreibung hatte sich mehrfach verzögert. Bis zuletzt hatten Lobbyisten beider Seiten versucht, Einfluss auf den Ausschreibungstext zu nehmen. Northrop Grumman hatte zuletzt gedroht, das Angebot zurückzuziehen, sollte das günstigere Boeing-Angebot in der Ausschreibung bevorzugt werden. Der Ausschreibung zufolge könne der Auftrag auch an den Wettbewerber gehen, „wenn der vorgeschlagene Ansatz des Anbieters mit dem höheren Preis schwerer wiegt als der Kostenunterschied“, heißt es in den aktuellen Unterlagen. Northrop Grumman, Hauptauftragnehmer im Konsortium mit der EADS, kündigte an, die Ausschreibung genau zu prüfen.

Damit bleibt das Poker vor einer Entscheidung im US-Senat im Oktober offen. Boeing wird voraussichtlich eine modifizierte Version seiner Passagiermaschine 767 anbieten, behält sich aber vor, die modernere 777 ins Rennen zu schicken. Northrop Grumman und die EADS treten mit dem Airbus A330 an. Im Vergleich zur 767 kann die Maschine deutlich mehr Fracht transportieren, ist aber auch im Stückpreis um rund 30 Prozent teurer.

Tankflugzeuge sind das Rückgrat der globalen Präsenz der US-Streitkräfte. Derzeit unterhält die Air Force 533 Maschinen, die auf Basen in den USA, Europa im Nahen Osten und im Pazifik im Einsatz sind. Fast alle Flugzeuge wurden Anfang der sechziger Jahre angeschafft, doch die Maschinen erfüllen nicht mehr die Anforderungen der Militärs und verschlingen immense Wartungskosten. Den Zuschlag für die Erneuerung hatte Boeing bereits 2001 in der Tasche. Doch illegale Absprachen zwischen dem Rüstungskonzern und dem Pentagon führten zu einer Neuausschreibung des Auftrags.

Die Vergabe des Tankerauftrags entscheidet über das künftige Kräfteverhältnis zwischen den Erzrivalen Airbus und Boeing. Mehr als fünfzig Prozent seines Umsatzes macht Boeing mit Rüstungsaufträgen, das hilft, das zyklische Geschäft mit Passagiermaschinen auszugleichen. Die Airbus-Mutter EADS macht hingegen nur ein Viertel ihres Geschäftes mit Rüstungsgütern. Die Europäer wollen im Falle eines Zuschlags eine Flugzeugfertigung im US-Bundesstaat Alabama aufbauen.

Ob der Kongress am Ende die Mittel bereitstellt, ist offen. Der US-Haushalt ist nach den Kriegen im Irak und Afghanistan tief in die roten Zahlen gerutscht. Die neue demokratische Mehrheit im Kongress drängt auf Sozialprogramme. Der Sparzwang im Rüstungsetat führt dazu, dass laufende Beschaffungsprogramme bevorzugt werden. So stellten die Volksvertreter gegen den Willen des Pentagons 2,1 Mrd. Dollar für den Bau weiterer 10 Militärtransporter des Typs C-17 in den Haushalt ein. „Jeder Dollar für die C-17 fehlt für die Tanker“, sagt Rüstungsexperte Richard Aboulafia von der Teal Group.

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