Airbus-Deal mit Bombardier

Quebec fürchtet um sein Flugzeug-Juwel

Am Einstieg von Airbus beim neuen Mittelstreckenjet von Bombardier wächst in Kanada die Kritik. Die Opposition sorgt sich um die Rückzahlung von Steuergeldern – und in der Provinz Quebec meldet sich der Nationalstolz.
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Der europäische Flugzeugriese schnappt sich die junge Mittelstrecken-Baureihe seines angeschlagenen kanadischen Konkurrenten. Quelle: Reuters
Airbus und Bombardier

Der europäische Flugzeugriese schnappt sich die junge Mittelstrecken-Baureihe seines angeschlagenen kanadischen Konkurrenten.

(Foto: Reuters)

OttawaDie Partnerschaft zwischen den Flugzeugbauern Bombardier und Airbus stößt bei der kanadischen Regierung auf viel Gegenliebe. Im Parlament in Ottawa aber wird Kritik der konservativen Opposition laut. Und auch in der Provinz Quebec wird befürchtet, dass langfristig Arbeitsplätze verloren gehen könnten. Dabei flossen bereits viele Millionen Dollar aus öffentlichen Kassen an Bombardier.

Die zwischen Airbus und Bombardier vereinbarte Zusammenarbeit, in der Airbus eine knappe Mehrheit der Anteile an der Produktion der Mittelstreckenflugzeuge der C-Serie erwerben wird, muss noch vom kanadischen Wirtschaftsministerium genehmigt werden. Das „Investment Canada Act“ schreibt vor, dass bei ausländischen Investitionen der Nutzen dieser Transaktion für Kanada festgestellt werden muss, bevor sie genehmigt werden.

Dazu gehört unter anderem die Erhaltung von Arbeitsplätzen und die Schaffung neuer Jobs. Nach einer ersten „oberflächlichen“ Prüfung vor Bekanntgabe der geplanten Partnerschaft hatte Wirtschaftsminister Navdeep Bains die geplante Airbus-Bombardier-Partnerschaft bei der C-Serie positiv bewertet.

Dies unterstrich er auch am Tag nach Bekanntgabe der Vereinbarung im Parlament. „Besserer Marktzugang, was eine höhere Produktion und mehr Arbeitsplätze in Kanada“ bedeute, so sieht Bains die Vereinbarung.

Der aus Quebec stammende konservative Politiker Maxime Bernier aber sieht die Bombardier-Airbus-Pläne nicht so uneingeschränkt positiv. Bombardier, dessen Hauptsitz in Montreal ist, habe viele Millionen Dollar an Steuergeldern bekommen, um die C-Serie zu entwickeln. Nun aber verkaufe Bombardier die Anteilsmehrheit an der C-Serie an „das ausländische Unternehmen Airbus“. Sein Fraktionskollege Arnold Viersen aus Alberta sieht Bombardier und Airbus als Gewinner und den kanadischen Steuerzahler als Verlierer bei diesem Deal.

Die Regierung von Quebec hatte vor zwei Jahren 1,3 Milliarde Kanadische Dollar, rund 0,9 Milliarden Euro, in eine Partnerschaft mit Bombardier zur Entwicklung und Produktion der C-Serie gesteckt. Zudem hat in diesem Jahr die kanadische Bundesregierung 372,5 Millionen Dollar als rückzuzahlende Zuschüsse bewilligt, mit der Forschung und Entwicklung im Bereich der Geschäftsjets sowie die Entwicklung der C-Serie gefördert wird.

Zu der C-Regionaljetserie gehören die CS300 mit 130 bis 150 Sitzen und die CS100 mit 108 bis 125 Sitzen. Die Serie hat ihre Zertifizierung erhalten, die ersten Flugzeuge wurden 2016 ausgeliefert. In den Orderbüchern standen Ende 2016 360 feste Bestellungen. Seit mehr als einem Jahr seien aber „keine signifikanten neuen Bestellungen“ eingegangen, notieren kanadische Medien.

Die Hoffnung ist nun, dass Fluggesellschaften, die sich bisher zurückhielten, weil sie vom langfristigen Überleben von Bombardier nicht überzeugt waren, nun zupacken werden. Wirtschaftsminister Bains weist daher die Kritik der Konservativen zurück. Mit ihrer Aussagen stelle sich die Opposition „gegen die Luftfahrtindustrie Kanadas und gegen Qualitätsjobs in Kanada“. Er betont zugleich, dass die Rückzahlungsbedingungen für die Bundeszuschüsse für Bombardier von dieser Vereinbarung nicht betroffen seien. Er hatte bereits am Abend der Bekanntgabe des Deals erklärt, die Regierung sei „zuversichtlich, dass alle Rückzahlungsverpflichtungen erfüllt werden“.

Das sind die größten Luftfahrtkonzerne der Welt
Platz 10: Safran
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Der französische Konzern verbuchte 2016 einen Ertrag von 18,2 Milliarden Dollar (Vorjahr: 18,0 Milliarden). Safran ist nach Rolls-Royce Europas zweitgrößter Hersteller von Flugmotoren und Strahltriebwerken. In puncto Ertragswachstum lagen die europäischen Unternehmen mit 3,7 Prozent klar vor der US-Konkurrenz (2,4 Prozent) und setzten damit den Trend des Vorjahres fort.

(Quelle: Deloitte Global Aerospace & Defence Sector Financial Performance Study 2017)

Platz 9: Raytheon
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Der US-Hersteller produziert vor allem für das Militär. Der Rüstungskonzern erreichte 2016 einen Ertrag von 24,1 Milliarden Dollar (Vorjahr: 23,2 Milliarden ). Dank der leistungsstarken US-Rüstungsindustrie und einer hohen weltweiten Nachfrage wuchsen die Erträge im militärischen Sektor bei den US-Unternehmen insgesamt um 2,1 Prozent.

Platz 8: BAE Systems
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Der britische Rüstungs- und Luftfahrtkonzern kletterte in der Rangliste vom neunten auf den achten Platz. 2016 betrug der Ertrag 24,1 Milliarden Dollar (Vorjahr: 22,8 Milliarden). In Europa legte der Ertrag im militärischen Sektor laut Studie um insgesamt 0,6 Prozent zu.

Platz 7: Northrop Grumman
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Der US-Hersteller von Rüstungstechnik für Luft- und Raumfahrt machte 2016 einen Ertrag von 24,5 Milliarden Dollar (Vorjahr: 23,5 Milliarden Dollar). Die Wachstumsrate der Gesamtbranche fiel von 3,8 Prozent im Jahr 2015 auf 2,4 Prozent im Jahr 2016. Sie war damit immer noch um 0,1 Prozentpunkte höher als das globale Wirtschaftswachstum.

Platz 6: GE Aviation
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Das Unternehmen gehört zur US-Konzern General Electric. Der Konzern erzielte 2016 einen Ertrag in Höhe von 26,3 Milliarden Dollar (Vorjahr: 24,7 Milliarden). GE Aviation stellt Flugzeugtriebwerke für den zivilen und den militärischen Gebrauch her. Insgesamt zeigte die Luftfahrtbranche 2016 bei einem Gesamtertrag von 674,4 Milliarden Dollar ein verlangsamtes Wachstum.

Platz 5: United Technologies
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Der US-Hersteller von Technologieprodukten hat seinen Hauptsitz in Connecticut. Neben Luft- und Raumfahrt ist der Konzern auch in den Bereichen Klimaanlagen, Aufzugsanlagen und Rolltreppen tätig. Der Ertrag im Luftfahrtbereich lag 2016 bei 28,9 Milliarden Dollar (Vorjahr: 27,8 Milliarden Dollar).

Platz 4: General Dynamics
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Der Konzern ist neben Boeing der größte Hersteller von Lenkflugkörpern in den USA. Der Konzern baut neben Raketen auch Hubschrauber sowie Panzer und fertigte 1954 mit der USS Nautilus das erste nuklearbetriebene U-Boot der Welt. Im vergangenen Jahr betrug der Ertrag 31,4 Milliarden Dollar (Vorjahr: 31,5 Milliarden).

Auch in Quebec melden sich Kritiker zu Wort. Für national gesinnte Quebecer ist die Vorstellung, dass Bombardier, das als „Juwel“ der Wirtschaft und Ingenieurleistung der französischsprachigen Provinz gesehen wird, an ein Unternehmen im Ausland geht. Sie stören sich daran, dass Airbus mit dem Partnerschaftsabkommen das Recht erhalte, die C-Serie komplett zu übernehmen. Dass bis 2041 die Arbeitsplätze in Quebec gesichert sein sollen, beruhigt sie nicht. Sie fragen, ob Quebec die investierten 1,3 Milliarden Dollar zurückerhalten werde.

Provinzpremier Philippe Couillard habe einen strategische Fehler begangen, als er die Zuschüsse der Provinz an die „C Series Aircraft Limited Partnership“ und nicht an die Muttergesellschaft Bombardier gegeben habe, rügt Oppositionsführer Jean-Francois Lisée. Die Aussicht, dass in einigen Jahren die C-Serie komplett Airbus gehören könnte, ärgere ihn. Als jemand, „der an ökonomischen Nationalismus glaubt, kann ich das nicht akzeptieren“. In sieben Jahren werde Quebec „kein Prozent Anteil mehr an dem großartigsten Produkt, das wir jemals herstellten, haben“. Couillard dagegen sagte, dass es bei der Vereinbarung um die Sicherung von Arbeitsplätzen gegangen sei. „Die Chancen, dass wir unsere Investitionen zurückbekommen, sind heute größer als zuvor.“

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