Airbus-Desaster
Riesenfrachter steht auf der Kippe

Der Flugzeughersteller Airbus steht vor einem neuen Desaster. Nach dem Absprung des Schlüsselkunden Fedex stellt der Mutterkonzern EADS den Bau der Frachtversion des Riesenairbus A380 ganz in Frage.

fas MÜNCHEN. Die Zukunft der Frachtversion hänge von der weiteren Entwicklung der Nachfrage ab, sagte EADS-Finanzchef Hans-Peter Ring in einer Telefonkonferenz am Mittwoch. Sollten weitere Stornierungen auflaufen, „dann müssen wir vielleicht neu entscheiden“, sagte Ring.

Der Riesenfrachter soll in Ergänzung zur Passagierversion der A380 entwickelt werden. Die zusätzliche Variante soll die Stückzahlen erhöhen, um die immensen Entwicklungskosten von zwölf Milliarden Euro des A380-Programms wieder einzuspielen. Ähnlich wie die Passagiervariante hinkt auch die Frachtversion der A380 der Planung um mindestens zwei Jahre hinterher. Doch während die Fluggesellschaften an der Passagierversion festhalten, wenden sich Interessenten vom Frachter ab. Airbus-Renommierkunde Emirates hat bereits Anfang Oktober bei Boeing geordert, Fedex stornierte am Dienstagabend überraschend seine zehn fest bestellten A380-Frachter und kauft ebenfalls beim US-Rivalen. „Wir stehen nicht unter Druck, uns hier zu entscheiden“, sagte UPS-Chef Mike Eskew am Mittwoch in einer Investorenkonferenz. UPS ist mit zehn fest bestellten Maschinen der letzte Frachterkunde, die Leasingfirma ILFC hat Optionen auf fünf A380-Frachter.

Ein Aus des Frachterprojektes hätte gravierende Folgen für den Airbus-Standort Hamburg. Dort entstehen mit hohen Subventionen der öffentlichen Hand und gegen massiven Widerstand von Anwohnern eine verlängerte Landebahn und ein Auslieferungszentrum für den Frachter. Ursprünglich sollten dort 2008 die ersten Maschinen ausgeliefert werden.

Die Verzögerungen in der A380-Produktion treffen den Mutterkonzern EADS härter als befürchtet. Auch drückt der schwache Dollar auf die Erlöse. Der Luft- und Raumfahrtkonzern meldet für die ersten neun Monate des Jahres einen kräftigen Gewinneinbruch auf 1,4 Mrd. Euro vor Steuern, nach zwei Mrd. Euro im Vorjahr.

Im dritten Quartal rutschte der Konzern mit 239 Mill. Euro tief in die roten Zahlen. Finanzchef Hans-Peter Ring lehnte am Mittwoch einen Ausblick auf das Gesamtjahr ab. Wegen der Verluste hätten „das Power-8-Programm bei Airbus und strukturelle Anpassungen im Gesamtkonzern höchste Priorität“, sagten die Konzernchefs Tom Enders und Louis Gallois. „Die Lage bleibt weiter schwierig, die Airbus-Probleme werden sich in wenigen Tagen nicht lösen lassen“, resümiert Analyst Winfried Becker von Sal. Oppenheim.

Das Sanierungsprogramm „Power 8“ soll Airbus aus einer existenzbedrohenden Krise befreien. Details sollen Anfang 2007 bekannt werden. Dem Flugzeughersteller fehlen auf Grund der verspäteten Auslieferung des Riesenairbus A380 bis 2010 fast fünf Milliarden Euro an Liquidität. Der Konzern plant, die Produktionskosten pro Jahr um zwei Mrd. Euro zu drücken. Die EADS-Führung schließt auch Werksverkäufe und Massenentlassungen nicht aus, die Fertigungstiefe soll drastisch sinken.

Denn neben dem Desaster um den Riesenairbus A380 steht Airbus vor einer weiteren weit reichenden Entscheidung. „Das Sanierungsprogramm Power 8 ist die Voraussetzung für den Bau der A350 XWB“, sagte EADS-Finanzchef Ring. Das im Vergleich zur A380 kleinere Langstreckenflugzeug hat Airbus im Frühjahr nach heftigen Kundenprotesten zurückgezogen. Die Fluggesellschaften drängen Airbus aber zu einer Neukonstruktion, sie fürchten ein Monopol des US-Rivalen Boeing in diesem entscheidenden Marktsegment. Ein Stopp der A380-Frachtversion könnte Geld und Entwicklungskapazitäten für die A350 frei machen.

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